Arnstadt - Es war
ein langer Weg bis zur gestrigen Einweihung des "Denkmals für die
Opfer kommunistischer Gewalt 1945 bis 1989" vor dem Ärztehaus in der
Rosenstraße. Auch nachdem sich der Stadtrat für eine Erinnerungsstätte
ausgesprochen hatte, gab es Diskussionen um den Standort. Diese halten an. Bis
buchstäblich in letzter Sekunde arbeitete der Erfurter Künstler Torsten
Ihlenfeldt an der Gedenktafel.
Doch der symbolträchtige Termin des 13. August sollte für die Einweihung
gehalten werden. Rund hundert Bürger lauschten den Worten von Bürgermeister
Hans-Christian Köllmer und sichtlich ergriffener Vertreter der Vereinigung
der Opfer des Stalinismus (VOS). Auch in Arnstadt und Umgebung hätten viele
Mensche Gesundheit und Leben lassen müssen, sagte der ehemalige VOS-Vorsitzende
Klaus Schmidt. So seien alleine 1945 160 .Männer und 22 Frauen aus der
Region ins sowjetische Spe-ziallager nach Buchenwald gebracht worden; 47 kehrten
nicht zurück. Zudem erinnerte Schmidt an die politischen Häftlinge
in der DDR und an diejenigen, die bei Fluchtversuchen ums Leben kamen.
Das Denkmal, so hoffte er, werde die Jugend noch an die Folgen kommunistischer
Gewaltherrschaft erinnern, wenn die letzten Zeitzeugen längst gestorben
sind. Köllmer betonte, das Denkmal solle zeigen, dass die Opfer "auch
bei uns nicht vergessen werden". Das rund vier Meter hohe Denkmal hat die
Form einer geöffnete Mauer, an der Gitterstäbe und Stacheldraht angebracht
sind.
Am Rande der Einweihung gab es stille Proteste seitens der Stadtratsfraktion
Die Linke. Dieser richtete sich sowohl gegen die Aufschrift "Den Opfern
kommunistischer Gewalt 1945 - 1989" wie auch gegen den Standort. Hier hatte
sich die Kommandantur der Roten Armee befunden. Damit, so hieß es in einem
verteilten Flugblatt, würden die Befreier als Gewalttäter diskreditiert.
Es sei unbestritten, dass sowohl in der sowjetischen Besatzungszone wie in der
DDR Menschen- und Bürgerrechte missachtet wurden. Das Denkmal jedoch setze
eine ganze Weltanschauung mit stalinistischem Terror gleich. "Den Opfern
gedenken, Geschichte nicht verfälschen", wurde deshalb gefordert.
Freies Wort, 14.08.08