Gestern wurde in
Arnstadt das Denkmal rur die Opfer kommunistischer Gewalt eingeweiht
Etwa 200 Menschen kamen gestern zur Einweihung des Denkmals für die Opfer
kommunistischer Gewalt. Es waren Angehöriger der Opfer, Politiker, einfache
Bürger. Und selbst jene, die vorher Kritik geübt hatten, waren da.
Nur das Denkmal selbst war leider noch nicht ganz fertig.
Kurz vor der Einweihung
entrollte Frank Kuschel ein Transparent: "Der Opfer gedenken - Geschichte
nicht verfälschen -Die Linke" stand darauf geschrieben. Fast neben
ihm stand der CDU-Stadtrat Reinhard Köhler und hielt eine Doppelseite mit
Namen von Opfern in die Höhe. Ein Außenstehender hätte meinen
können, beide verbalen Äußerungen gehörten zusammen.
Es sei ein "Denkmal, auf das wir lange gewartet haben", sagte Bürgermeister
Hans-Christian Köllmer zur Eröffnung der kurzen Feierstunde, denen
das Dörrberger Bläserquintett mit der Trauerhymne von Händel
und Mozarts Ave verum einen würdigen Rahmen verlieh. Und es sei ein Denkmal,
das "langer Diskussionen bedurfte", so der Bürgermeister. Dass
dieses Debatte noch nicht beendet ist, zeigte der spontane Auftritt des Amstädter
Journalisten Andreas Möller, der auf die Kritik der Linken einging, der
Standort des Denkmals an der ehemaligen sowjetischen Kommandantur stelle deren
Befreiungsleistung in Frage. Möller schilderte das Schicksal des Arn-städter
Eisenbahners Georg Nagel, der in Moskau erschossen wurde und dessen Verhaftung
in jenem Gebäude der sowjetischen Kommandantur beschlossen worden war.
Es sei die "Amstädter Filiale eines Terrorregimes" gewesen, so
Möller. Die beiden anwesenden Töchter Georg Nagels nickten.
Auch Klaus Schmidt und Erika Korn vom Verband der Opfer des Stalinismus fanden
bewegende Worte zur Einweihung des Denkmals, das aber leider nicht ganz fertig
geworden war. Als die Tafel enthüllt werden sollte, fiel sie um. Aber viele
beherzte Amstädter sprangen hinzu und hoben sie wieder auf. Es könnte
ein gutes Zeichen sein.
Thüringer Allgemeine vom 14.08.2008