Die finanzielle
Zukunft einer möglichen Stadt Brotterode-Trusetal sieht nicht rosig aus.
Eine Teilentschuldung wird immer unwahrscheinlicher. Droht die Eingemeindung
jetzt zu platzen?
Brotterode/Trusetal - Den Anstoß zur Debatte gab Michael Heym (CDU), der
als Vertreter von Landrat Ralf Luther zur öffentlichen Fraktionssitzung
der CDU in Brotterode alarmierende Zahlen auf den Tisch legte: Der Haushalt
einer möglichen Einheitsstadt Brotterode-Trusetal würde im Jahr 2012
vermutlich eine Lücke von rund zwei Millionen Euro aufweisen. Heyms Empfehlung
deshalb: Die finanziell klammen Kommunen sollten sich wirtschaftlich gesünderen
anschließen. Brotterode könne sich von Floh-Seligenthal eingemeinden
lassen und Trusetal in Richtung Breitungen orientieren. Trusetals Bürgermeister
Karl Koch (Die Linke), um die finanziellen Aussichten im Bilde, sprach bereits
im März bei Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht wegen einer
Entschuldung vor. Ein Plan, der wohl zu scheitern droht. Heym, der auch stellvertretende
Chef der CDU-Fraktion im Landtag ist, sagte unserer Zeitung gestern: "Ich
habe noch mal mit der Ministerpräsidentin gesprochen. Frau Lieberknecht
hat mir klipp und klar bestätigt, dass wir außer der Fusionsprämie
nichts übernehmen können." In Trusetal, das mit knapp 4000 Einwohnern,
keinerlei Druck hat sich zu vergrößern, dürfte dann ein Zusammenschluss
mit dem hoch verschuldeten Brotterode nur noch schwer zu verkaufen sein, besonders
wenn freiwillige Leistungen in der Wasserfall-Gemeinde auf der Kippe stehen.
Trusetals Bürgermeister Koch wollte gestern keinen Kommentar abgeben und
verwies auf einen Termin mit Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) Mitte April.
"Bei unserem Gespräch mit Frau Lieberknecht hat sie nichts davon gesagt,
dass eine Entschuldung unmöglich sei."
Kochs Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Frank Kuschel bewertet den Zusammenschluss
von Trusetal und Brotterode, als richtigen Weg und fordert ebenfalls Starthilfe
vom Land, damit ein leistungsfähiges Gebilde entstehen könne. "Wir
werden uns dafür starkmachen, dass Brotterode-Trusetal neben der Fusionsprämie
eine Teilentschuldung erhält." Die Anregungen von Heym sorgten dagegen
nur für Verunsicherung bei den Leuten, findet er.
Heym fordert das Innenministerium auf, im Gesetzesentwurf zur Neugliederung
von Gemeinden auch auf deren finanzielle Situation hinzuweisen. "Es bringt
doch nichts, wenn Brotterode-Trusetal 2012 keinen Haushalt hat und dann beginnt
wieder die Rennerei nach Erfurt."
Landrat Ralf Luther, der in der Vergangenheit immer wieder einen Zusammenschluss
von Brotterode und Trusetal gefordert hatte, äußert sich nun zurückhaltender.
Der Prozess hin zu einer Einheitsstadt sei fortgeschritten und ehrlich betrieben
worden, sagt er und lobt Trusetals Bürgermeister Karl Koch, der auch schon
Mittel für den Eigenanteil zum Anbau des Brotteroder Kindergartens eingestellt
habe. "Trusetal und Brotterode, das passt gut zu den territorialen Gegebenheite
und das bringt zum Schluss auch Synergien." Luther meint damit Einsparungen
in der Verwaltung.
Auf der anderen Seite könne Floh-Seligenthal die finanziellen Probleme
von Brotterode ganz anders ausgleichen. "Aus wirtschaftlicher Sicht hat
das ganze einen gewissen Charme", sagte Luther. Brotterode und Floh-Seligenthal
auf der einen Seite und Trusetal, Breitungen sowie - am besten auch noch - Fambach
auf der anderen würden Konstrukte mit rund 10 000 Einwohnern ergeben. "Die
würden auch bei einer Funktionalreform standhalten". Bei einer Funktionalreform
werden staatliche Aufgaben auf die Kommunen übertragen.
Breitungens Bürgermeister Peter Heimrich (SPD) kann den Vorschlägen
Heyms ebenfalls einiges abgewinnen. "Floh-Seligenthal kann so einen Rucksack
ganz anders schultern". sagte er zuletzt. Floh-Seligenthals Bürgermeister
Peter Fräbel (FDP) soll sich zwar ebenfalls ausgiebig über die finanzielle
Lage in Brotterode informiert haben. Er bleibt aber in der Defensive und verweist
auf die gefassten Beschlüsse zum Eingliederungsvertrag zwischen Brotterode
und Trusetal und den Gesetzesentwurf, der im Innenministerium erarbeitet wird.
"Es haben keine Gespräche mit Vertretern aus Brotterode stattgefunden",
betont er. Politisch aktiv werde in Floh-Seligenthal niemand, außer wenn
man von offiziell aus Brotterode an die Gemeinde herantrete. "Wir sind
aber keine Störenfriede, die entwickelnde Strukturen von außen zerschlagen
wollen."
Christopher Eichler, Freies Wort, 26.3.2011