"In höchst
fragwürdiger Weise versucht der CDU-Landrat des Ilm-Kreises, den Gemeinderat
von Liebenstein unter Druck zu setzen. Hier kann man auch von Erpressung sprechen",
kritisiert der Landtagsabgeordnete der LINKEN, Frank Kuschel.
In einer öffentlichen Erklärung unterstellt Dr. Benno Kaufhold dem
Landtagsabgeordneten der LINKEN, Frank Kuschel, dieser würde im Hintergrund
die Fäden in Liebenstein ziehen und somit für die Entscheidungen im
Gemeinderat mitverantwortlich sein. "Die Äußerung des Landrates
provoziert die Frage, ob nicht der Landrat im Hintergrund wirkt, um so eine
umstrittene Baumaßnahme durchzusetzen, unabhängig davon, ob die Gemeinde
ruiniert und die Bürger finanziell überfordert werden", so die
Reaktion von Kuschel auf die Vorwürfe des Landrates.
Entgegen bisheriger Aussagen hat der Landrat über die Presse erklärt,
dass er als Rechtsaufsichtsbehörde der Gemeinde Liebenstein den für
den Gehweg und Straßenbeleuchtungsbau notwendigen Kredit von 440.000 Euro
genehmigen würde. Hierzu müsste der Gemeinderat aber zunächst
den Haushalt für 2010 beschließen. Nach Überzeugung des Landrates
blockiert jedoch "eine linke Mehrheit mit Frank Kuschel im Hintergrund"
den Gemeindehaushalt. Der Landrat behauptet zudem, dass dadurch der Straßenbau
in Liebenstein weiter verzögert wird und nun erst frühestens 2011
in Angriff genommen werden kann. Dann würde nach Überzeugung des Landrates
die Straßenbaumaßnahme jedoch noch teurer werden. In dem Zusammenhang
spekuliert der Landrat über sinkende Fördermittel und damit steigende
Kosten für die Bürger.
Kuschel erläutert, dass die Spekulationen des Landrates haltlos sind, was
er auch wisse. Falls überhaupt durch das Land Fördermittel gezahlt
würden, werden diese immer nur dem Gemeindeanteil zugerechnet. Auf die
Straßenausbaubeiträge dürfen sie nicht angerechnet werden. "Es
ist also Unsinn, zu behaupten, dass weniger Fördermittel die Bürger
stärker belasten", betont Kuschel.
Bauexperten gehen zudem davon aus, dass nach der Abarbeitung des Konjunkturprogramms
II in diesem Jahr die Baupreise allgemein fallen werden. Es ist also fahrlässig,
ab 2011 von steigenden Baupreisen auszugehen. "Die Äußerungen
des Landrates sind aber nicht nur als Erpressungsversuch zu bewerten, sondern
sind auch noch in weiten Teilen unwahr", so der Vorwurf des Linkspolitikers.
Zum ersten hatte das Land zu keinem Zeitpunkt geplant, bereits in diesem Jahr
mit den Straßenbaumaßnahmen in der Ortslage Liebenstein zu beginnen.
Vielmehr ist vorgesehen, dass zunächst notwendige Umleitungsstrecken und
die Straße zwischen Liebenstein und Gräfenroda ausgebaut werden.
In der Ortslage würden frühestens 2011 die Bauarbeiten anstehen.
Zum Zweiten hat der Landrat bisher nicht begründet, weshalb er Liebenstein
einen weiteren Kredit genehmigen will, obwohl die Gemeinde bereits jetzt völlig
pleite ist. Schon vor Jahren war der Landrat mit der Kreditgenehmigung für
Liebenstein sehr großzügig. Dadurch ist die Gemeinde bereits damals
auf die finanzielle Schiefbahn geraten. "Jetzt will der Landrat wohl die
Gemeinde völlig in den Ruin treiben", mutmaßt Frank Kuschel.
Selbst wenn die Gemeinde Straßenausbaubeiträge in sechsstelliger
Höhe von den Bürgern erhebt und das Land 200.000 Euro Fördermittel
bereitstellt, bleibt die Gemeinde auf mindestens 100.000 Euro Eigenanteil sitzen.
Hinsichtlich der Fördermittel liegt beim Land nicht einmal ein Antrag,
geschweige eine Zusage, vor. "Es ist unverantwortlich, bei Kenntnis dieser
Tatsachen die Gemeinde zur Aufnahme eines weiteren Kredites und eine enorme
zusätzliche finanzielle Belastung zu zwingen", ist Kuschel überzeugt.
Doch weshalb agiert der Landrat in dieser Art und Weise? Um Bürgerinteressen
kann es dabei nicht gehen. Vielleicht stören den Landrat die neuen Mehrheitsverhältnisse
im Liebensteiner Gemeinderat. "Sollte der Landrat tatsächlich Liebensteiner
Interessen im Blick haben, müsste er sich gemeinsam mit dem Gemeinderat
für Lösungen einsetzen und nicht nur über die Presse polemisieren",
so Frank Kuschel abschließend.