"Der CDU-Landrat
des Ilm-Kreises, Dr. Benno Kaufhold will auch weiterhin den Kreistagsmitgliedern
einen Maulkorb verpassen und Informationen von der Öffentlichkeit fern
halten", kritisiert das Kreistags- und Landtagsmitglied der LINKEN, Frank
Kuschel. Nach Information des Verwaltungsgerichtes Weimar habe der Landrat des
Ilm-Kreises das Urteil zum Ordnungsgeld gegen Frank Kuschel nicht akzeptiert
und dagegen Rechtsmittel eingelegt.
Mitte März 2010 hatte das Verwaltungsgericht Weimar entschieden, dass das
vom Kreistag verhängte Ordnungsgeld in Höhe von 1.000 Euro gegen Kuschel
zu Unrecht festgesetzt wurde. Eine Mehrheit des Kreistages war überzeugt,
dass Kuschel gesetzeswidrig eine Information aus einer Ausschusssitzung der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe. Dabei ging es um eine rechtswidrige
Auftragsvergabe von Planungsleistungen im Wert von über 400.000 Euro. Dieser
Auftrag hätte europaweit ausgeschrieben werden müssen. Stattdessen
wurde der Auftrag ohne Ausschreibung an ein Erfurter Planungsbüro vergeben.
Selbst der damalige CDU-Innenminister musste den Rechtsverstoß seines
Parteifreundes Dr. Benno Kaufhold eingestehen. Doch während der Gesetzesverstoß
des CDU-Landrates ohne Folgen blieb, versuchte die Kreistagsmehrheit die Offenlegung
des Rechtsverstoßes durch Kuschel zu bestrafen. "Dieses Agieren einer
Kreistagsmehrheit ist bezeichnend für das gegenwärtige Demokratieverständnis",
so Frank Kuschel.
Rechtsverstöße durch den Landrat sollten verschwiegen werden und
wer dies nicht mitmacht, werde abgestraft. Diesem Verständnis hat das Verwaltungsgericht
ein deutliches Stoppzeichen gesetzt. Gleichzeitig wurden auch die Abgeordnetenrechte
gestärkt. Das Gericht urteilte, dass Landtagsabgeordnete nicht daran gehindert
werden dürfen, alle Informationen zu veröffentlichen, ohne dafür
zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Doch wer nun annahm, der CDU-Landrat
respektiere die Gerichtsentscheidung, hat sich gründlich geirrt. "Die
demokratische Schieflage im Kreistag des Ilm-Kreises soll nach Meinung des Landrates
nicht wieder gerade gerückt werden", ist der Linkspolitiker überzeugt.
Nun werde das Thüringer Oberverwaltungsgericht entscheiden müssen.
Mit welcher Begründung der Landrat Rechtsmittel eingelegt hat, ist bisher
nicht bekannt. Das Gericht will erst in den nächsten Tagen die Begründung
des Landrates veröffentlichen. Unabhängig davon ist aber jetzt bereits
klar: "Die Landratsentscheidung stärkt die Demokratie keinesfalls.
Es gibt keine Gründe, Kommunalpolitik mit einem Deckmantel des Schweigens
und Verschweigens zu versehen. Wer dies, wie der CDU-Landrat verhindern will,
muss sich nicht über Spekulationen und Misstrauen wundern", so Frank
Kuschel abschließend.