"Nach Überzeugung des Thüringer Innenministers ist es gegenwärtig
ausgeschlossen, dass die Gemeinde Liebenstein weitere 440.000 EUR Schulden für
den geplanten Straßenbau der Ortsdurchfahrt aufnehmen kann und genehmigt
bekommt", informiert der Landtagsabgeordnete der Partei DIE LINKE Frank
Kuschel. In der Antwort auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten widersprach
damit der Innenminister den öffentlich geäußerten Positionen
des Landrates, Dr. Benno Kaufhold (CDU), und dem zuständigen Chef der Verwaltungsgemeinschaft
"Oberes Geratal", Rolf Fleischhauer.
Kaufhold und Fleischhauer hatten öffentlich erklärt, dass aus ihrer
Sicht eine weitere Verschuldung von Liebenstein kein Problem darstelle. Gleichzeitig
wurde der Fraktion "Unabhängige Wählergemeinschaft/DIE LINKE"
im Gemeinderat Liebenstein vorgeworfen, durch die Ablehnung des Haushaltsentwurfes,
die notwendige Straßensanierung der Ortsdurchfahrt zu blockieren.
"Jetzt stellt der Innenminister klar, dass der Gemeinderat wohl zurecht
den Haushaltsentwurf der Verwaltung abgelehnt hat", so die Einschätzung
von Frank Kuschel.
Die von der Verwaltung vorgesehene Verschuldung von 440.000 EUR ist nicht genehmigungsfähig,
äußerte das Innenministerium. Selbst die geplante Erhebung von Straßenausbaubeiträgen
in Höhe von 296.000 EUR führt nicht zur Genehmigungsfähigkeit
des geplanten Kredits von 440.000 EUR. Da Liebenstein schon jetzt nicht in der
Lage ist, seinen Kreditverpflichtungen vollständig nachzukommen, wäre
eine weitere Kreditaufnahme nur möglich, wenn die BürgerInnen über
Straßenausbaubeiträge diesen Kredit vollständig finanzieren
würden.
"Eine noch höhere finanzielle Belastung der Bürger scheitert
bereits an den gesetzlichen Schranken", stellt Kusche fest. Schon heute
zahlen die Liebensteiner die gesetzlich zulässigen Höchstbeitragssätze.
Wie es nun weitergeht, ist noch völlig offen. Das Land hat angekündigt,
die Ortsdurchfahrt Liebenstein nur dann zu sanieren, wenn die Gemeinde einen
genehmigten Haushalt vorliegen hat.
"Die jetzige Finanzlage der Gemeinde ist Folge der Politik von Gemeinde
und Verwaltungsgemeinschaft. Bis 2009 hat die CDU im Gemeinderat die Mehrheit
gestellt.", stellt Kusche klar.
Rolf Fleischhauer weigert sich, einen neuen genehmigungsfähigen Haushaltsentwurf
dem Gemeinderat vorzulegen. Die Fraktion "Unabhängige Wählergemeinschaft/DIE
LINKE" hat deshalb selbst einen neuen Haushaltsentwurf vorgelegt, der jedoch
vor Kurzem von der CDU auf Empfehlung der Verwaltungsgemeinschaft blockiert
wurde.
Nach der Bürgermeisterwahl wird der Gemeinderat einen neuen Anlauf unternehmen,
um zu einem genehmigungsfähigen Haushalt zu kommen, ohne dabei die Bürger
finanziell zu überfordern. "Der VG-Chef und der Landrat sind aufgefordert,
den Gemeinderat in seinen Bemühungen zu unterstützen und nicht weiter
den Gemeinderatswillen zu verhindern", so Frank Kuschel abschließend.
18.6.2010
Kleine Anfrage Nr. 539, Antwort der Landesregierung in DS 5/1146 vom 15. Juni 2010