Niederschlagsgebühr des WAVI Ilmenau hat keine ökologische Steuerungswirkung
"Die jetzt
von den Bürgermeistern beschlossene Einführung einer Niederschlagsgebühr
im Gebiet des WAVI Ilmenau hat keine spürbare ökologische Steuerungswirkung
und erschwert die Kostentransparenz", kritisiert Frank Kuschel, Kreistagsmitglied
und Landtagsabgeordneter der LINKEN.
Trotz erheblicher Bedenken der Bürger haben die Bürgermeister der
Mitgliedsgemeinden des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Ilmenau (WAVI) die
Einführung dieser Niederschlagswassergebühr zum 1. Januar 2011 beschlossen.
Viele Bürger befürchten zu Recht, dass durch die neue Gebühr
die Kostenstruktur des Zweckverbandes für die Abwasserbehandlung noch undurchdringlicher
wird. Neben den Abwasserbeiträgen und den beiden Grundgebühren wird
es ab dem nächsten Jahr auch die zwei Gebühren Schmutzwassergebühr
und Niederschlagwassergebühr geben. Zudem wird kritisiert, dass die Niederschlagswassergebühr
kaum Anreize für die schadstofffreie Versickerung des Regenwassers auf
den Grundstücken bietet. So bleibt die Entsiegelung von befestigten Flächen
unter 50 Quadratmetern unberücksichtigt. "Es ist zu vermuten, dass
der Zweckverband über die Gebühr mehr Regenwasser für die Abwasseranlagen
erfassen will, um so bisher nicht genutzte Kapazitäten auszulasten",
so Frank Kuschel weiter.
Der Zweckverband spricht vorrangig von einer Gebührenentlastung für
die Mieter in den großen Neubaugebieten. Dies wird damit begründet,
dass die Schmutzwassergebühr von 2,57 Euro auf 2,18 Euro pro Kubikmeter
Abwasser gesenkt wird. Gleichzeitig wird eine jährliche Grundgebühr
von 24 Euro und eine Einleitungsgebühr von 0,25 Euro pro Quadratmeter versiegelte
Fläche für das Niederschlagswasser eingeführt. "Ob dies
tatsächlich in Summe zur Gebührenentlastung führen wird, bleibt
abzuwarten", so der Kommunalexperte.
Mit dem Verweis über eine mögliche Gebührenentlastung setzt der
WAVI seine Politik nach dem Motto "teile und herrsche" fort. "Es
ist fragwürdig, die zusätzliche Belastung von Bürgern und Unternehmen
durch eine neue Gebühr mit der finanziellen Entlastung anderer Bevölkerungsgruppen
zu begründen", ist der Linkspolitiker überzeugt. Dies schafft
neue Spannungen, die aber mit den tatsächlichen Gegebenheiten kaum etwas
zu tun haben. Auch die Mieter in den großen Neubaugebieten sind von den
Abwasserbeiträgen und der neuen Niederschlagsgebühr betroffen. Die
Beiträge müssen aus den Mieteinnahmen finanziert werden, so dass dieses
Geld für die Unterhaltung der Gebäude fehlt. Die Niederschlagswassergebühren
sind als Betriebskosten auf die Mieter "umlegbar".
Das Land hat nun auch das Regenwasser als zusätzliche Einnahmequelle erkannt.
Ab 2011 müssen die Zweckverbände für Grundstücke, bei denen
das Niederschlagswasser nicht in eine zentrale Kläranlage eingeleitet wird,
eine zusätzliche Abwasserabgabe zahlen. Diese Kosten werden dann wieder
auf die Bürger abgewälzt. "Wenn es um das Abzocken der Bürger
geht, kennt das Land offenbar keine Skrupel und Scharmgrenzen", ist Kuschel
überzeugt.
Die Erhebung einer Niederschlagsgebühr ist durchaus sinnvoll, wenn dadurch
wirksame Anreize für die Entsiegelung von befestigten Flächen geschaffen
werden. "Dies ist aber beim WAVI bisher nicht erkennbar", erklärt
Frank Kuschel abschließend.
12.11.2010