Streit um den Standort für Kita in Gräfenroda scheint beigelegt

Das vor zwei Wochen eingereichte Bürgerbegehren, mit dem Eltern in Gräfenroda statt eines Neubaus in der Ortsmitte die Erweiterung des Kindergartens Wiesenweg erreichen wollten, ist vom Tisch. Damit bleibt es bei der Entscheidung des Gemeinderates für den Standort Alte Keramik.
Gräfenroda. Stuttgart 21 lässt grüßen. Wie in Baden-Württemberg war ein Schlichtungstermin angesetzt, mit Landrat a. D. Dr. Lutz-Rainer Senglaub ein neutraler Moderator eingeladen. Aber der musste am Dienstagabend im Feuerwehrgerätehaus gar nicht viel schlichten zwischen den Gemeinderäten und Elternvertretern. Denn letztere hatten sich bereits am Vorabend entschieden, das eingereichte Bürgerbegehren zurückzuziehen.
Doch bevor Marko Klötzer im Namen der Eltern darüber informierte, kamen noch einmal so ziemlich alle Argumente für den Neubau im Allgemeinen und den gewählten Standort Alte Keramik im Besonderen auf den Tisch. Senglaub rechnete beispielsweise vor, dass die Erweiterung der bestehenden Kita die Gemeinde kaum preiswerter als der mit rund 2 Millionen Euro bezifferte Neubau in der Ortsmitte kommen würde. So waren in der Studie zum Wiesenweg - auf Initiative der Eltern durch einen Architekten erstellt - eine geringere Bruttogeschossfläche angenommen und die Kosten für die Neuausstattung der Einrichtung geringer angesetzt.
Schwerer wiegt jedoch die ungesicherte Erschließung, da die Zufahrt nicht komplett in Gemeindebesitz ist. Derzeit gilt Bestandsschutz, der durch die Erweiterung hinfällig würde. Auch ein Wendehammer sowie genügend Parkplätze müssten angelegt werden. Alles in allem weitere 110.000 Euro, die zu berücksichtigen sind. "Ich kann den erheblichen Finanzunterschied an beiden Standorten wirklich nicht entdecken", so lautete Senglaubs Resümee.
Der Alt-Landrat, der im Vorfeld nicht nur die Akten genau studiert, sondern auch mit Ämtern telefoniert hatte, trat ebenso Bedenken hinsichtlich Bodenbelastung und mangelndem Schallschutz entgegen. Es habe bereits umfangreiche Untersuchungen gegeben und weitere Bohrungen sollen folgen, sobald klar ist, wo denn nun genau das neue Kita-Gebäude stehen wird. Wenn nötig, findet ein Bodenaustausch statt, so die Zusicherung seitens der Gemeinde. Und beim Schallschutz könne der Grenzwert eingehalten werden. Genauere Aussagen gibt es dazu mit der Einreichung des Bauantrages.
Aber noch haben die detaillierten Planungen für die neue Kita mit Platz für 85 Mädchen und Jungen, davon 18 im Kleinkindalter, gar nicht begonnen. Der Gemeinderat verschob deren Vergabe vor zwei Wochen wegen des Bürgerbegehrens (TA berichtete). Aber viel Zeit kann sie sich nicht mehr lassen, denn nur bis 2013 gibt es Fördermittel aus dem Bundesprogramm zur Verbesserung der Kleinkindbetreuung. Für Gräfenroda geht es immerhin um 240 000 Euro. Der Architekt wiederum benötigt möglichst bald Vorgaben zum pädagogischen Konzept, zur Anordnung der Räume etc. Die Eltern wurden ausdrücklich aufgefordert, sich in diese Beratungen einzubringen. Sie machten am Dienstagabend noch einmal klar, dass das Gelände mitten im Ort neben einem Supermarkt für sie nicht der "Top-Favorit" sein kann. Ihnen sei das Wohl der Kinder wichtig, aber Vernunft würde vor Eskalation gehen. Deshalb wollten sie den Streit beilegen. Für die von ihnen erhoffte und noch einmal angesprochene Suche nach einem alternativen Standort dürfte es aber zu spät sein. Das Gelände an der Keramik ist beräumt und erschlossen, die Gemeinde wird es lastenfrei übernehmen. Kosten für den Flächenerwerb: 196 000 Euro.
Auch wenn das Bürgerbegehren vom Tisch ist, die Kleine Anfrage des Landtagsabgeordnete Frank Kuschel (Linke) an die Landesregierung ist es nicht. Derzeit sind drei Ministerien mit Prüfungen zum Kita-Neubau beschäftigt. Das sollte man abwarten, bis der Gemeinderat weitere Entscheidungen fällt, so der Rat von Bauamtsleiter Wolfgang Holl.

Antje Köhler, Thüringer Allgemeine, 21.4.2011