"Die Mehrheitsentscheidung des Kreistages im Ilmkreis zur europaweiten Ausschreibung der Abfallentsorgung könnte letztlich zur vollständigen Privatisierung dieser Leistung führen", befürchtet Frank Kuschel, Kreistagsmitglied der Linken, heißt es in einer Pressemitteilung.
Ilmkreis. Bisher
wird die Abfallentsorgung im Ilmkreis durch die Ilmenau Umweltdienst GmbH (I-UWD)
wahrgenommen, an der der Landkreis 51 Prozent hält und ein privater Miteigentümer
49 Prozent. Aufgrund europäischer Vorgaben müssen kommunale Leistungen
ausgeschrieben werden, wenn an den entsprechenden Unternehmen private Akteure
beteiligt sind. Andererseits hat die EU bestimmt, dass bei der Aufgabenwahrnehmung
durch reine Kommunalunternehmen ohne private Beteiligung die Beauftragung ohne
Ausschreibung erfolgen kann. Diesen Weg der so genannten Re-Kommunalisierung
haben jedoch CDU, FDP und Freie Wähler im Kreistag blockiert und vielmehr
auf die Wirkung eines angeblichen freien Marktes gesetzt. Wer jedoch die gegenwärtigen
bundesweiten Unternehmensstrukturen im Bereich der Abfallentsorgung analysiert,
wird Parallelen zum Energiemarkt feststellen. "Auch im Abfallbereich beherrschen
nur wenige Unternehmen den Markt und von einem freien Wettbewerb kann keine
Rede sein", ist der Linkspolitiker überzeugt. Die Hoffnung der Privatisierungsbefürworter,
dass im Ergebnis der europaweiten Ausschreibung die Kosten und Gebühren
sinken, sei trügerisch.
Das bisherige Modell der Abfallentsorgung hat sich im Ilmkreis bewährt
und zudem moderate Gebühren gesichert. Dioe Linkspartei fordert deshalb
die Beibehaltung dieses Modells. Dies ist auch unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen
möglich. Denkbar ist die Gründung einer kreiseigenen Gesellschaft
ohne private Beteiligung, die vom Landkreis die Abfallentsorgung zugewiesen
bekommt. Diese Gesellschaft beauftragt die IUWD als Geschäftsbesorger mit
dem operativen Geschäft. "Für die Beschäftigten und Bürger
würde diese Neustrukturierung überhaupt keine Veränderungen bedeuten
und die risikobehaftete Privatisierung wäre vom Tisch", ist Frank
Kuschel sicher. Das Modell der Linken wird im Übrigen bereits in vergleichbarer
Art bei der Betreibung der Kompostierungsanlage und beim Öffentlichen Personennahverkehr
praktiziert. Es ist jetzt noch Zeit, die europaweite Ausschreibung der Abfallentsorgung
zu stoppen und ein Modell in kreislichen Strukturen zu realisieren. "Die
Abfallentsorgung gehört nicht in private Hände, sondern muss kommunal
bleiben", so der Linkspolitiker abschließend.
Thüringer
Allgemeine, 22.4.2011