Arnstadt. Der Vorgang
hat Tradition: Der Arnstädter Bürgermeister sagt eine geplante Stadtratssitzung
ab, weil es aus seiner Sicht nicht genug zu beraten gibt - und die Opposition
beantragt daraufhin eine Sondersitzung. Im März dieses Jahres ist das passiert,
damals fanden die "Linken", dass die Debatte über den Haushalt,
den es noch nicht gab, keinen Aufschub dulde. Mit der gleichen Begründung
läuft demnächst die Wiederholung des Stückes. Die planmäßige
Sitzung am 3. November wurde abgesagt und "Linke" und SPD haben eine
Sondersitzung beantragt.
Die "Linke" findet, der 8. November wäre ein guter Tag dafür,
weil an diesem Datum alle Kommunen gegen die Finanzkürzungen des Landes
protestieren wollen. Aber auf das Datum hat die Opposition keinen Einfluss,
das bestimmt der Bürgermeister. Der wiederum kommt am prinzipiellen Fakt
nicht vorbei, eine Sitzung einberufen zu müssen, wenn das die Fraktionen
verlangen. Einen Haushaltsentwurf muss und wird er dabei aber nicht vorlegen,
das ist wiederum sein Recht, auch wenn Frank Kuschel, Fraktionschef der Linken,
das anders sieht. Aber in den vergangenen zwei Jahren gab es immer erst im Sommer
des laufenden Jahres einen bestätigten Etat. Trotz Sondersitzungen. Und
das Leben ging trotzdem weiter.
Eigentlich wäre der 8. November wirklich ein guter Tag für die Sitzung,
parallel zu den anderen Schauveranstaltungen. Denn praktisch herauskommen wird
nichts, da ist der Bürgermeister zu stur. Aber man sieht sich mal wieder
und kann sich ein paar Stunden gegenseitig die Schuld für die Politikverdrossenheit
zuschieben.
Eberhardt Pfeiffer,
Thüringer Allgemeine, 30.10.2011