Ätsch!

ARNSTADT. Wer als Ilmenauer auf die Welt kommt, ist auf jeden Fall 150 Euro reicher als ein Arnstädter Neubürger. Da aber beide demnächst in Arnstadt das Licht der Welt erblicken, sieht die "Linke" Handlungsbedarf.

Es ist erstaunlich ruhig geworden an der Ideologiefront zwischen Arnstadt und Ilmenau. Gab es zu Zeiten der vorerst letzten Gebietsreform noch machtvolle Demonstrationen um die Buchstabenkombination an Kraftfahrzeugen, kann man heute sogar auf dem Kickelhahn ohne Personenschutz bekennen, dass man Arnstädter ist. Und bekennende Südkreisler erhalten von der Arnstädter Ausländerbehörde sogar eine zeitweilige Duldung als Landrat. Man weiß nicht genau, wie es zu dieser friedlichen Koexistenz kam, aber es schien sich irgendwie eingespielt zu haben zwischen den früheren Erbfeinden.

Doch nun kommt die "Linke", genauer deren Arnstädter Stadtratsfraktion, und stochert so in der kaum vernarbten Wunde herum, dass es richtig weh tut. Und zwar allen.

Der Anlass ist geschickt gewählt: Bald wird es in Ilmenau keine Geburtsstation der Ilmkreis-Kliniken mehr geben, auch Ilmenauer Mütter entbinden künftig in Arnstadt. Andererseits haben Ilmenauer Säuglinge einen finanziellen Vorteil gegenüber den Arnstädtern: Sie erhalten von ihrer Stadt 150 Euro Begrüßungsgeld und ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich bin ein Kind aus Ilmenau".

Das Zusammentreffen dieser beiden Tatsachen nutzt die linke Arnstädter Stadtratsfraktion nun zu einem nahezu heimtückischen Antrag. Sie fordert, dass das Ilmenauer Begrüßungsgeld nicht im Arnstädter Krankenhaus überreicht wird und dass der Aufdruck auf dem T-Shirt geändert wird in: "Ich bin in Arnstadt geboren . . . aber aus Ilmenau. Und deshalb bekomme ich Begrüßungsgeld. ÄTSCH!".

Man stelle sich vor, ein etwas größeres Kind würde mit solch T-Shirt durch die Arnstädter Fußgängerzone laufen. Die gesamte Ilmkreis-Polizei müsste ihren operativen Schwerpunkt sofort wieder nach Arnstadt verlegen.

Nun hat der Antrag der Linksfraktion sicher keine Chance, dafür dürfte die Mehrheit im Stadtrat sorgen. Dennoch wird dieses Papier Folgen haben. Denn bei der zähen Debatte über das Arnstädter "Neubürgerprogramm" wurde bislang zu wenig daran gedacht, dass die Ilmenauer hier ihren Kindern wesentlich mehr bieten, als in Arnstadt vorgesehen.

Das kann man sich doch als Arnstädter nicht gefallen lassen.

Bei aller Freundschaft.

Thüringer Allgemeine vom 22.10.2008