Freies Wort vom 15.03.2008
Auftragsvergabe: Linke wirft CDU zweierlei Maß vor
Landesverwaltungsamt
will keine Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen herstellen
Ilmenau - Die Fraktion der Linkspartei im Kreistag hat sich noch einmal ausdrücklich
hinter ihr Mitglied Frank Kuschel gestellt. Fraktionschef Eckhard Bauerschmidt
bezeichnete die Verhängung eines Ordnungsgelds in Höhe von 1000 Euro
gegen Kuschel durch den Kreistag als "ein Exempel der Merkwürdigkeiten".
Der CDU warf er vor, bei der Beurteilung solcher Sachverhalte mit zweierlei
Maß zu messen.
Beim Landesverwaltungsamt in Weimar gibt man sich angesichts der von Kuschel
beanstandeten Vergabe eines Ingenieurauftrags im Wert von 415 000 Euro ohne
Ausschreibung zugeknöpft. Behördensprecher Adalbert Alexy bestätigt
lediglich, dass das Vorgehen des Ilmkreises in dieser Sache geprüft werde.
Vergleiche zu ähnlichen Fällen möchte Alexy allerdings nicht
anstellen. "Jeder Sachverhalt ist anders, deshalb kann man aus früheren
Fällen nicht ableiten, wie die Entscheidung möglicherweise aussehen
könnte."
Im Ilmkreis sorgt der Fall unterdessen zumindest bei der Linken für Unmut.
Die Arnstädter Bürgerin, die auf der jüngsten Kreistagssitzung
während der Bürgerfragestunde eine Anfrage an den Landrat bezüglich
der beabsichtigten Verhängung des Ordnungsgeldes gegen Kuschel gestellt
hatte, habe dafür nicht auf Insiderwissen zurückgreifen müssen.
Sie konnte sich bei ihrer Frage auf Fakten stützen, die bereits vorab durch
die Medien veröffentlicht worden waren. Der offensichtlich geäußerte
Vorwurf des Insiderwissens sei aber nur eine Merkwürdigkeit in dem Verfahren,
so Bauerschmidt.
Die zweite, sei die Vergabe der besagten Ingenieurleistung im Wert von 415 000
Euro ohne öffentliche Ausschreibung. Hier habe der zuständige Ausschuss
offensichtlich falsch gehandelt, erklärte Bauerschmidt. Das habe auch das
Thüringer Innenministerium festgestellt. Kuschel hatte dieses per kleiner
Anfrage im Landtag mit dem Fall konfrontiert. Der Linkspolitiker sieht in der
Auftragsvergabe einen Rechtsverstoß.
Offen sei bislang geblieben, ob der- oder diejenige, die die Vergabe im Landratsamt
zu verantworten haben, bisher in irgendeiner Weise zur Verantwortung gezogen
worden ist, kritisierte Bauerschmidt. Ein Kreistagsmitglied, das Aufklärung
verlangt, solle aber bestraft werden. Das könne nicht angehen.
Als dritte Merkwürdigkeit kritisierte der Fraktionschef, dass in vergleichbaren
anderen Fällen, gern Großmut gezeigt werde. Allerdings handele es
sich dabei zumeist um Mitglieder der CDU-Fraktion. Kuschel werde nicht den reuigen
Sünder geben, so Bauerschmidt und sicherte ihm die Unterstützung der
Fraktion zu.
Klare Aussage vom Minister
Das Urteil des Innenministeriums zu dem Fall klingt eindeutig. Im vergangenen
Sommer hatte der zuständige Minister Karl-Heinz Gasser (CDU) auf Kuschel
fragen erklärt, dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für
eine Vergabe des Auftrages ohne vorherige "Vergabebekanntmachung",
also öffentliche Ausschreibung, "Nach § 5, Abs 2 Buchst f. VOF"
nicht vorlagen. Und Gasser wurde noch ausführlicher: "Eine Vergabe
von Ingenieurleistungen der Leistungsphasen V bis VIII ohne Ausschreibung an
den gleichen Auftragnehmer, der bereits die Leistungsphasen II bis IV des betreffenden
Bauvorhabens erbracht hat, wäre dann als zulässig zu betrachten, wenn
die Beauftragung der Leistungsphasen II bis IV einschließlich der Option
auf eine spätere Vergabe der Leistungsphasen V bis VIII im Ergebnis eines
ordnungsgemäßen Vergabeverfahrens erfolgt wäre. Dies ist beim
vorliegenden Sachverhalt nicht der Fall, da bereits die Vergabe der Leistungsphasen
II bis IV seitens des Ilmkreises ohne Wettbewerb erfolgte."
Als mögliche Konsequenzen führte der Minister folgendes an: "Im
Fall von Verstößen gegen das Haushalts- und Vergaberecht sind dienst-,
haftungs-, und strafrechtliche Folgen zu prüfen. Eine Rechtsgrundlage für
die Aufhebung eines Vertrages, der unter Verstoß gegen Vergaberecht entstanden
ist, sieht die ThürKO nicht vor."
Insider befürchten, dass der Fall für den Landkreis ohne gravierende
Folgen bleiben wird. Sie rechnen damit, dass das Landesverwaltungsamt den Verantwortlichen
auf die Finger klopft und ihnen klar macht, sich in Zukunft anders zu verhalten.
Ein Vorgehen, das Frank Kuschel sicher nicht zufriedenstellen würde.