29.11.2007
Abwasserproteste in Arnstädter Region verständlich!
"Wer Bürger
nicht ausreichend informiert und Kalkulationsunterlagen als geheime Ver-schlusssache
behandelt, so wie dies der Wasser- und Abwasserzweckverband Arnstadt macht,
braucht sich nicht über Bürgerproteste gegen Abwasserbeiträge
wundern", erklärt Frank Ku-schel, Stadtrat der LINKEN aus Arnstadt,
der auch kommunalpolitischer Sprecher der Land-tagsfraktion der LINKEN ist.
Der Zweckverband erlässt gegenwärtig in Arnstadt und anderen Orten
des nördlichen Ilm-Kreises Abwasserbeitragsbescheide, die zu den höchsten
in Thüringen gehören. Dabei sollen sich die Bürger an der Finanzierung
der abwassertechnischen Investitionen beteiligen und dies völlig unabhängig,
wie viel Abwasser tatsächlich auf dem jeweiligen Grundstück anfällt.
Rund 130 Millionen EUR will der Zweckverband über diese Beitragserhebung
einnehmen. Dabei fragen sich die die Arnstädter, weshalb die Bürger
aus der Region Erfurt und Suhl ü-berhaupt keine Beiträge zahlen müssen
und die Ilmenau nur rund ein Drittel dessen, was jetzt in Arnstadt fällig
sein wird.
Selbst in solchen Orten wie Bittstädt, in denen der Zweckverband überhaupt
noch nichts in-vestiert hat, werden die Bürger zur Kasse gebeten.
"Der Zweckverband hat dabei ein sehr fragwürdiges Verhältnis
zu den Bürgern, die eigentlich seine Kunden sind", schätzt Frank
Kuschel ein. So gibt es in Arnstadt keinen Verbraucherbei-rat, der darüber
wachen soll, dass die Wasser- und Abwasserkosten nicht explodieren. In Il-menau
ist ein solcher Beirat, bei aller Kritik an dessen Arbeit, seit Jahren aktiv.
Erst nachdem der Zweckverband die Bescheide angekündigt und erlassen hat,
sah er sich in der Pflicht, die Bürger zu informieren. Dies hätte
aber viel früher erfolgen müssen. Zudem sieht Bürgerbeteilig
anders aus. Nur zu informieren, dass die Bürger zahlen müssen, ist
wohl zu wenig. Vielmehr hätte der Zweckverband bereits vor Jahren mit den
Bürgern darüber dis-kutieren müssen, welche Variante der Abwasserentsorgung
die günstigste ist und wie die fi-nanziert werden soll.
Nun formiert sich der Bürgerprotest. In Bittstädt hat sich bereits
eine Bürgerinitiative gebil-det. Es wurden Musterwidersprüche erstellt
und die Globalberechnung beim Zweckverband eingesehen. In mehreren Veranstaltungen
wurden die Bürger informiert und aufgeklärt.
Auch in Arnstadt gibt es Aktivitäten zur Bildung einer Bürgerinitiative.
Vor wenigen Tagen fanden Informationsveranstaltungen der Bürger statt,
die von vielen Bürgern besucht wurden.
Der Gemeinderat von Neusiß hat beschlossen den Arnstädter Zweckverband
zu verlassen und nach Ilmenau zu wechseln, was den Bürgern viel Geld sparen
würde.
Die Bürger und Bürgerinitiativen haben sich auch an die Parteien im
Arnstädter Stadtrat mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Nach dem
die LINKE bereits von Anfang an als Partner der Bürger agieren, hat zwischenzeitlich
auch die SPD ihre Unterstützung zugesagt.
Nun muss der Zweckverband entscheiden, wie er mit den vielen Widersprüchen
der Bürger umgeht. Mit den Bürgermeistern soll darüber diskutiert
werden, wie die finanzielle Belastung der Bürger verträglicher gestaltet
werden kann. Einen ersten Erfolg haben die Bürger erzielt: Der Zweckverband
will nun doch einen Verbraucherbeirat bilden lassen. Ein Anfang, nicht mehr,
doch es bewegt sich was. "Die Bürgermeister sollten nicht länger
die Bürgerproteste verteufeln, sondern sie zum Anlass nehmen, die bisherige
Politik des Zweckverbandes bürger-freundlicher auszugestalten", fordert
der Politiker der LINKEN abschließend.