Leserbrief

Es ist soweit – am Samstag, den 1. August 2009, 11 Uhr, findet eine jahrhunderte währende Industriegeschichte ihren vermutlich weit hörbaren Abschluß. Der großartige Hochbau der ehemaligen Kammgarnspinnerei wird niedergelegt. Hunderte Bohrungen für die entsprechende Anzahl Sprengladungen  werden nötig, um den soliden Bau zu Fall zu bringen. Viel zu solide, um ihn einfach abtragen zu können, mit seinem doppelten Wandaufbau aus Stahlbeton und Klinkerverkleidung, Unmengen Stahl in den Etagenböden, stählernen Fußbodenfliesen. Ob wenigstens die krönende Kuppelkugel gerettet wird mit ihrem Inhalt zur Baugeschichte? Doch vielleicht ist die auch schon zu DDR-Zeiten geplündert worden, wie die Kugel unter der Wetterfahne auf Todenwarth.
Danke, Herr Stoffel, dass Sie die Region vom wichtigsten Industriedenkmal befreien. Lieber die unansehnlichen, Zweckbauten bestehen lassen, da gibt es wenigstens keine Forderungen vom Denkmalschutz. Wozu noch Baudenkmäler in Wernshausen, dieser Ortsteil ist vermutlich vorwiegend zur Gewinnung von Gewerbesteuer gut.
Danke, Herr Landrat Luther, dass Sie das „Problem Denkmalschutz“ so großzügig gelöst haben. Wozu überhaupt Industriedenkmäler! Ein paar Millionen € Fördermittel sind doch viel greifbarer als die vielleicht (noch vor ein paar Monaten) fünf Dutzend Millionen Restwert der Baudenkmäler im Kammgarngelände, deren Nutzungsmöglichkeiten viel zu vielfältig waren.
Der Petitionsausschuß des Landtages schrieb mir vor 2 Wochen, man könne meine Petition vom 5. Januar 2009 nicht prüfen, da die Gebäude abgerissen seien. Woher hat der Ausschuss seine Fehlinformationen? So wird es sicher auch der Klage des Thüringer Denkmalverbundes wegen Fördermittelerschleichung ergehen, die seit Monaten vor Gericht liegt. Es sind schließlich noch Wahlen in Bälde, da darf man doch keiner Regierungspartei vorher weh tun.
Eines muß ich noch erwähnen. Der sorgfältige Ausbau der restaurierten Wasserkraftanlage wurde von Bürgermeister Kaminski zugesagt. Dank auch ihm dafür, dass diese Zusage niemand ernst genommen hat. Die zerstörten Reste sind im Freigelände des Museums „Neue Hütte“ zu bewundern. So gibt es wenigstens keine Probleme mit neuer Standortsuche und entsprechender Finanzierung. Was schert uns umweltneutrale Energie aus Wasserkraft. Mode sind Solaranlagen. Und die kosten bei ihrer Produktion sehr viel Strom….

Dr. Jochen Halbig Todenwarth