Bei einem Treffen
der Landtagsfraktion DIE LINKE mit Kommunalpolitikern aus ganz Thüringen
hat sich zum wiederholten Mal bestätigt, dass die Thüringer Kommunen
in einer dramatischen Finanzlage sind. "Für diese Situation tragen
nicht die Kommunen selbst die Verantwortung, sondern der Bund und das Land",
so die Einschätzung des Kommunalexperten der Landtagsfraktion DIE LINKE,
Frank Kuschel.
Durch Steuerrechtsänderungen der letzten zehn Jahre verlieren die Thüringer
Kommunen jährlich Steuereinnahmen von über 300 Millionen EUR. Die
Thüringer Landesregierung hat im Bundesrat sämtlichen Steuerrechtsänderungen
zu Lasten der Kommunen zugestimmt.
Zudem sind die Landeszuweisungen im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs an
die Thüringer Kommunen völlig unzureichend und stehen teilweise im
Widerspruch zu den Vorgaben des Thüringer Verfassungsgerichtshofes. Dieser
hatte 2005 entschieden, dass das Land den Kommunen eine angemessene Finanzausstattung
sichern muss, die sich an den tatsächlichen Bedarfen orientiert. Bereits
2008 und 2009 hat das Land den Kommunen über 200 Millionen EUR vorenthalten.
Am 28. Januar 2010 verhandelt der Verfassungsgerichtshof eine diesbezügliche
Klage von drei Gemeinden.
Auch die Planungen der Landesregierung für den Finanzausgleich 2010 werden
den Anforderungen und Vorgaben des Verfassungsgerichtes nicht gerecht. Berücksichtigt
man die zu erwarteten zusätzlichen Steuerausfälle bei den Kommunen
infolge der Wirtschaftskrise und des so genannten Wachstumsbeschleunigungsgesetzes,
die mindestens 150 Millionen EUR betragen, ist der Finanzausgleich mit über
400 Millionen EUR unterfinanziert. Aus Sicht der LINKEN müsse die Landesregierung
hier umsteuern und darf die Kommunen nicht länger finanziell benachteiligen,
erklärte Frank Kuschel.
Die Diskussion mit den Kommunalpolitikern machte sichtbar, dass die Kommunen
aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, die Steuerausfälle und die zu
geringen Landeszuweisungen auszugleichen. Es besteht die Gefahr, dass zahlreiche
Projekte und Initiative im Sozial-, Jugend-, Sport- und Kulturbereich vor dem
Aus stehen, weil die Kommunen die Finanzierung nicht mehr sichern können.
DIE LINKE will deshalb gemeinsam mit den Kommunalpolitikern und Betroffenen
den Druck auf die Landesregierung erhöhen und eine Kampagne "Kommunen
in Not" starten. Im Rahmen der Kampagne wird es zahlreiche Aktionen und
Veranstaltung geben, um die Folgen der gegenwärtigen kommunalen Finanzkrise
öffentlich zu machen. So wird die LINKE gemeinsam mit Kommunalpolitikern
am 28. Januar 2010, wenn die Landesregierung ihren Entwurf für den Landeshaushalt
dem Landtag vorlegt, Protestaktionen vor dem Parlament organisieren. DIE LINKE
fordert, den kommunalen Finanzausgleich deutlich aufzustocken und damit auch
die Vorgaben des Verfassungsgerichtes umzusetzen. Die Thüringer Kommunen
und ihre Bürger dürfen nicht die Verlierer der Krise und der verfehlten
Landes- und Bundespolitik sein.
15.1.2010