Landtag: Theorie und Praxis
"Der Präsident (...) leitet die Verhandlungen gerecht und unparteiisch und wahrt die Ordnung im Hause", so legt die Geschäftsordnung des Thüringer Landtags einige Aufgaben des Präsidenten fest (§ 4). Das ist die Theorie - in der Praxis passiert dann folgendes:
Auszug aus dem vorläufigen Protokoll der Sitzung des Thüringer Landtags vom 26. März 2010
Tagesordnungspunkt "Berichterstattung der Thüringer Landesregierung zu ihren Vorstellungen für eine künftige Kreisgebietsreform" (Antrag der LINKEN)
Landtagspräsidentin
Birgit Diezel (CDU):
"Danke, Herr Abgeordneter Bergner. Für die Fraktion DIE LINKE spricht
Herr Abgeordneter Kuschel."
Abgeordneter Frank
Kuschel (DIE LINKE):
"Frau Präsidentin, meine sehr geehrte Damen und Herren, die Ausführungen
von Herrn Fiedler kamen einer politischen Bankrotterklärung gleich.
(Beifall: DIE LINKE)
Außer politischen Geschwätz hat er hier nichts von sich gegeben,
aber er hat die Konzeptionslosigkeit seiner Partei und offenbar auch der Landesregierung
hier noch mal eindeutig nachgewiesen."
(Zwischenruf Abg. Wolfgang Fiedler, CDU: "Sie sind und bleiben ein zynischer
Kotzbrocken.")
Landtagspräsidentin
Birgit Diezel (CDU):
"Herr Abgeordneter Kuschel, ich mache Sie darauf aufmerksam, Geschwätz
ist in diesem Hause nicht angebracht als Ausdruck."
(Unruhe: DIE LINKE)
Abgeordneter Frank
Kuschel (DIE LINKE):
"Oh, da darf aber künftig Herr Fiedler nicht mehr reden."
Landtagspräsidentin
Birgit Diezel (CDU):
"Herr Abgeordnete Kuschel, dafür erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf."
Anmerkung von
Frank Kuschel:
Der Zwischenruf des CDU-Abgeordneten Fiedler blieb folgenlos, eine Reaktion
durch die Landtagspräsidentin erfolgte nicht.