Die Probleme, die es gegenwärtig lokal und in Thüringen insgesamt bei Straßenausbaubeiträgen gibt, wurden in der gestrigen Informationsveranstaltung im Ratskeller offensichtlich. Der Kreisverband der LINKEN hatte eingeladen und nnz versucht einen Einblick zum Geschehen zu vermitteln...
Der Veranstalter
hatte mit dem Landtagsabgeordneten und kommunalpolitischen Sprecher der Fraktion,
Frank Kuschel, einen absoluten Experten gewonnen, wie sich schnell zeigte. Die
Thematik umfasste die "Zukunft der Straßenausbaubeiträge in
Thüringen", zu der der Referent immerhin einen konkreten Lösungsvorschlag
seiner Fraktion in Form eines "Gesetzentwurfes zur Abschaffung der Beiträge"
zu machen hatte.
Wie problematisch und unausgewogen die gegenwärtige Situation ist, zeigte
sich allerdings erst in der recht lebhaften Diskussion im Anschluss an den Vortrag
Kuschels. Der Einladung der LINKEN waren zahlreiche Vertreter von Städten
und Gemeinden, von Wohnungsbaugesellschaften (Bleicherode Sollstedt, Heringen)
und Verbandsräte von Zweckverbänden gefolgt. Und natürlich allgemein
interessierte Zuhörer.
Kreisvorsitzender Rainer Bachmann eröffnete die Veranstaltung, begrüßte
die Teilnehmer, stellte den Referenten vor und gab die Regie dann weiter an
die Linke-Landtagsabgeordnete Birgit Keller, die souverän moderierte.
Zunächst vermittelte Frank Kuschel einen geschichtlichen Überblick
über die Entstehung der selbstverwalteten Kommunen nach der Wende, dem
auch das Thüringer Kommunalabgabengesetz zuzuordnen ist, das die Thüringer
Städte und Gemeinden im Grunde zwingt, ungeachtet ihrer Ertragslage und
ihrer Leistungsfähigkeit Straßenausbaubeiträgen zu erheben.
Und weil das in zahlreichen Einzelfällen weder kommunalpolitisch gewollt
noch erforderlich ist, wird damit vorgeblich oder tatsächlich unangemessen
in die Belange der kommunalen Selbstverwaltung eingegriffen.
Zu diesen Regelungen gehören aber auch die Zweckverbände und deren
Funktion. Mit der aus Sicht von Verbrauchern und Beitragspflichtigen Probleme
entstanden, die im Laufe der Zeit nicht viel geringer, wohl aber zunehmend subtiler
wurden.
Hier ist einzufügen, dass dieser Bericht lediglich der allgemeinen Information
dient und keinen Anspruch auf Authentizität erhebt. Schon weil im Vortrag
Kuschels von Begriffsunterschieden wie Ermessen und Ermächtigung, von Grundstücksbezogenheiten,
Beitragserhebungen, -zahlungen, -rückzahlungen an Begünstigte und
einem Beitragsmodernisierungsgesetz erläuternd die Rede war, die doch eine
spezifische Sachkenntnis voraussetzt.
In seinem Vortrag erwähnte Kuschel unter anderen ein vom Thüringer
Innenministerium in Auftrag gegebenes "Rechtsgutachten zur Weiterentwicklung
des Straßenausbaurechts im Freistaat Thüringen", erstellt von
Prof. Dr. Michael Brenner von der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität,
das im Januar vorgelegt wurde. Und ein wichtiger Markstein auf dem Weg zur gesetzlichen
Neuregelung der Materie sein soll. Bis zum Herbst diesen Jahres soll es in eine
entsprechende Gesetzesform gebracht werden soll.
Dazu soll nun offenbar der oben erwähnte Gesetzentwurf zur Abschaffung
der Beiträge und ein "Änderungsvorschlag - Infrastrukturabgabe
-" der LINKEN gehören, nachdem das Innenministerium Parteien, Initiativen
und auch Bürger eingeladen hat, eigene Meinungen bzw. Vorschläge zu
dem erwähnten Gutachten zu machen.
Die dem Vortrag Kuschels folgende recht lebhafte Diskussion ließ die Vielfalt
bestehender Probleme erkennen, die Gemeinden und Wohnungsgesellschaften unter
anderen mit Zweckverbänden und Aufsichtsbehörden auf Grund von Zuordnungen
(etwa Oberflächen- oder Schmutzwasser), bebauten und unbebauten Grundstücken
und Grundstückbezogenheiten, Berechnung durch Zweckverbände, Widersprüche
und anderes mehr haben. Wobei sich einige geradezu erbost zeigten durch die
Reaktionen der Aufsichtsbehörden bei eingelegten Widersprüchen. Im
Grunde liefen die Antworten Frank Kuschels auf eine deutliche Feststellung hinaus:
"Veränderungen entstehen vor allem durch Widerspruch".
Eine weitere, baldige Veranstaltung ähnlicher Art wurde für Bleicherode
ins Auge gefasst, weil in diesem Teil des Landkreises offenbar wirklicher Diskussions-
und Klärungsbedarf besteht.
Julius Seifert
(nnz), 12.5.2010