Alarmsignal
aus den Kommunen
"Die drastischen
Steuerausfälle der Thüringer Kommunen im 1. Halbjahr müssen für
die Landesregierung Anlass sein, umgehend Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung
der Gemeinden, Städte und Landkreise zu ergreifen", fordert der kommunalpolitische
Sprecher der Landtagsfraktion DIE LINKE Frank Kuschel.
Fünf Prozent Steuerausfälle können die Thüringer Kommunen
aus eigener Kraft nicht ausgleichen. Es drohen Ausgabenstreichungen, die zwangsläufig
in den nächsten Jahren enorme Folgekosten verursachen. Es ist auch zu befürchten,
dass die Kommunen geplante Investitionen streichen oder zeitlich verschieben
müssen, was insbesondere die örtliche Bauindustrie treffen würde.
Die Landesregierung muss nun stärker als bisher auf den Bund einwirken,
dass die durch die FDP auf den Weg gebrachte Diskussion zur Abschaffung der
Gewerbesteuer beendet wird. "Stattdessen muss über eine Reform der
Finanzverfassung diskutiert und entschieden werden, die eine angemessene Finanzausstattung
der Kommunen sichert", so der Linkspolitiker. Die steuerlichen Entlastungen
der Wirtschaft, die der Bund und die Länder in den letzten Jahren vollzogen
haben, darf nicht zu Lasten der Kommunen gehen. Es gibt zahlreiche Vorschläge
der kommunalen Spitzenverbände, die aus Sicht der LINKEN geeignet sind,
die kommunale Finanzmisere zu beheben.
"Die Landesregierung muss auch ein eigenes Interesse an einer soliden Finanzierung
der Kommunen haben, weil anderenfalls der Landeshaushalt zusätzlich belastet
wird", stellt Frank Kuschel klar. Der Thüringer Verfassungsgerichtshof
hat schließlich entschieden, dass das Land gegebenenfalls Steuerausfälle
der Kommunen ausgleichen muss.
Notwendig ist auch eine Flexibilisierung des kommunalen Haushaltsrechtes, so
wie es die LINKE seit Jahren fordert. Gerade in Krisenzeiten hat sich das Thüringer
Haushaltsrecht als völlig ungeeignet erwiesen. Ziel der Flexibilisierung
ist die Stärkung der kommunalen Investitionskraft und die Sicherung der
Finanzierung von Einrichtungen der sozialen Infrastruktur.
Bedenklich ist, dass die Landesregierung bisher noch keine Eckdaten des kommunalen
Finanzausgleichs für 2011 zur Verfügung gestellt hat. Andererseits
müssen die Kommunen jetzt bereits ihre Haushaltspläne für 2011
aufstellen. "Den Kommunen brechen die laufenden Einnahmen weg und für
das nächste Jahr können sie keine Planungen aufstellen, eine unhaltbare
Situation", ist der Kommunalexperte überzeugt.
DIE LINKE wird im nächsten Innenausschuss Anfang September die Finanzlage
der Kommunen zum Thema machen. "Die Lage erfordert rasches Handeln und
hier ist die Landesregierung gefordert", so Frank Kuschel abschließend.
27.8.2010