Erfurt. Das Innenministerium
signalisierte Kopofor, dem Kommunalpolitischen Forum der Linken, dass eine erbetene
Abschlagszahlung von 10 000 Euro durchaus überwiesen werde. Allerdings
nur, wenn der Geschäftsführer ausgewechselt wird. Kuschel musste gehen.
Eine Retourkutsche? Schließlich nervt der kommunalpolitische Sprecher
der Linksfraktion das Ministerium mit seinen zahllosen Anfragen nach Kräften.
Zur Begründung hieß es jedoch, in der Geschäftsführung
des Bildungsvereins dürfe niemand sein, der "in hervorgehobener Funktion"
für seine Partei tätig ist. Parteinähe ja, aber nicht zu nah
sollen solche vom Land geförderten Vereine sein.
"Da kenne ich aber ganz andere", wandte Kuschel ein, der eine Spezialanwendung
rechtlicher Vorschriften gegen seine Person vermutete. Doch weit gefehlt. Auch
die anderen im Landtag vertretenen Parteien bekamen Stress. Seit die Zuständigkeit
der Förderung Anfang des Jahres von der Landtagspräsidentin auf Innenminister
Peter Huber (CDU) überging, weht ein anderer Wind. Das gilt auch für
die eigene Partei. Deren Kommunalpolitische Vereinigung (KPV) saß jahrelang
Willibald Böck vor. Der frühere CDU-Innenminister, seit 2004 nicht
mehr im Landtag und seither Freiberufler, leitete auch das CDU-nahe Bildungswerk
Thüringische Kommunalhilfe, das als KPV-Ableger die staatlichen Zuwendungen
erhält. Böcks Nachfolger wurde, und zwar in beiden Ämtern, der
Rudolstädter Landtagsabgeordnete Gerhard Günther .
Seit vorigem Monat ist Günther nur noch KPV-Chef. Eine vorgezogene Vorstandswahl
im Bildungswerk holte erneut das Eichsfelder Urgestein Böck an die Spitze.
Geschäftsführer wurde der frühere Abgeordnete Reyk Seela aus
Jena, der sogleich versicherte: Das Bildungsangebot des Vereins richtet sich
an alle kommunalpolitisch interessierten Bürger.
Denn auch die satzungsrechtliche Öffnung der parteinahen Vereine für
Kommunalpolitik hatte das Innenministerium zur Bedingung für die weitere
Förderung gemacht.
"Offen für jeden Interessierten waren wir eigentlich vorher schon",
sagt Carsten Meyer , Vorstandschef des bündnisgrünen "Dakt",
was für "Die andere Kommunalpolitik Thüringen" steht. Meyers
Landtagsmandat scheint das Ministerium hier nicht zu stören. Für Innenpolitik
ist in der grünen Fraktion sein Kollege Dirk Adams zuständig.
Etwas heikler liegt der Fall bei der SPD. Fördergelder kamen bisher bei
deren Sozialdemokratischer Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) direkt
an. Vorsitzende: Heike Taubert , Vizechefin der Landes-SPD und Sozialministerin.
Damit sie SGK-Vorsitzende bleiben kann, gründet der Verein am Freitag eigens
einen Bildungsträger.
Überrascht zeigt sich nur Dirk Bergner. Dass er möglicherweise nicht
zugleich Innenpolitiker der FDP-Landtagsfraktion und Chef der Vereinigung Liberaler
Kommunalpolitiker e.V. bleiben kann, hat er noch nicht gehört. Vielleicht,
weil der Verein noch keinen Antrag auf Fördermittel stellte.
Volkhard Paczulla,
OTZ, 9.9.2010