Die übergroße
Mehrheit der Sachverständigen und Teilnehmer der öffentliche Anhörung
der Landtagsfraktionen Bündnis 90/Grüne und LINKE im Landtag halten
die Erhebung von Abwasser- und Straßenausbaubeiträgen für unzeitgemäß
und fordern deren Abschaffung.
Weil CDU und SPD im Innenausschuss nur einer schriftlichen Anhörung zum
gemeinsamen Gesetzentwurf von Bündnis 90/Grüne und LINKE zur Abschaffung
der Abwasserbeiträge und Weiterentwicklung der Straßenausbaubeiträge
zustimmten, boten die beiden Fraktionen eine eigene öffentliche Anhörung
an. Nur im Rahmen einer öffentlichen Anhörung kann es zu einem Dialog
mit Sachverständigen und Betroffenen kommen.
Über 100 Vertreter von Kommunen, Zweckverbänden, Bürgerinitiativen,
Vereinen und Verbänden nahmen die Einladung an und diskutierten mit Dirk
Adams (Bündnis 90/Grüne) und Frank Kuschel (DIE LINKE) über die
Zukunft der Kommunalabgaben in Thüringen.
Auf Vorschlag der Thüringer Bürgerallianz, dem Dachverband der Bürgerinitiativen
für sozial - gerechte Kommunalabgaben, haben im September Bündnis
90/Grüne und LINKE einen Gesetzentwurf in den Thüringer Landtag eingebracht.
Im Kern geht es, nachdem bereits 2005 die Wasserbeiträge abgelöst
wurden, um die Abschaffung der Abwasserbeiträge. Anstelle der Straßenausbaubeiträge
sollen die Gemeinden künftig selbst entscheiden können, ob und in
welcher Höhe sie die Bürger anteilig an den Kosten des kommunalen
Straßenbaus durch die Erhebung einer Infrastrukturabgabe beteiligen.
Die Thüringer Bürgerallianz betrachtet diesen Gesetzentwurf als einen
Kompromiss und würde viel lieber auch die Straßenausbaubeiträge
vollständig streichen. Eine ähnliche Forderung erhebt der Verband
der Haus- und Grundstückseigentümer Thüringens. Eine komplette
Abschaffung der Straßenausbaubeiträge ohne Ersatzfinanzierung kann
auf Landesebene allein nicht beschlossen werden. Da müsste der Bund mit
ins Boot, was gegenwärtig jedoch leider illusorisch ist.
Der Verband der Grundstücksnutzer (VDGN) bezeichnete den Gesetzentwurf
als einen gelungenen Kompromiss und beispielgebend für andere Bundesländer.
Insbesondere der Thüringer Mieterbund befürchtet durch die vorgeschlagenen
Neuregelungen eine deutliche Mehrbelastung der Mieter und will deshalb beim
jetzigen System der Beitragserhebung bleiben. Gerade an dieser Position entbrande
eine hitzige Diskussion. Dirk Adams und Frank Kuschel halten die Einwände
des Mieterbundes für prüfungswert, verweisen aber auch auf eigene
Berechnungen im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens. Demnach wäre die zusätzliche
Belastung der Mieter nur gering. Bereits jetzt ist die Hälfte der Einwohner
Thüringens nicht mehr von Abwasserbeiträgen betroffen, ohne das dabei
die Abwassergebühren überdurchschnittlich hoch wären. Durch die
künftige Infrastrukturabgabe würden die Betriebskosten um weniger
als 1 Prozent steigen.
Wenn die Ergebnisse der schriftlichen Anhörung vorliegen, wird sich der
Innenausschuss mit dem Gesetzentwurf weiter beschäftigen. Bündnis
90/Grüne und LINKE wollen dann auch die Ergebnisse der eigenen öffentlichen
Anhörung in die Ausschussberatungen einbringen.