"Der Zwang
der Landesregierung, dass die Gemeinden und Städte plötzlich und drastisch
ihre Steuersätze erhöhen müssen, ist nicht sachgerecht und schon
gar nicht fair. Diese Steuererhöhungen durch die Hintertür sind abzulehnen",
protestiert der kommunalpolitische Sprecher der Landtagsfraktion DIE LINKE,
Frank Kuschel.
Für den Kommunalen Finanzausgleich 2011 muss die Landesregierung ermitteln,
in welcher Höhe die Kommunen eigene Einnahmen erwirtschaften. Sollten diese
Mittel nicht ausreichen, gleich das Land die Defizite der Kommunen aus. Dabei
werden Einnahmen berechnet, die die Kommunen nicht haben und selbst vor Luftbuchungen
schreckt die Landesregierung nicht zurück. Der Innenminister legt dabei
fiktive Steuersätze zugrunde, die deutlich über den tatsächlichen
Hebesätzen liegen. Bei den Grundsteuern und der Gewerbesteuer kalkuliert
die Landesregierung 106,6 Mio. Euro, welche die Kommunen tatsächlich nicht
haben. "Seitdem das Landesverfassungsgericht eine Umstellung des Finanzausgleichs
erzwungen hat, versucht die Landesregierung die Thüringer Kommunen künstlich
reich zu rechnen. Der neue Innenminister hat diese fragwürdigen Rechenmanöver
seiner Amtsvorgänger weiter zugespitzt", erklärt der Kommunalexperte.
Auch wenn der gesetzliche Druck zur Erhöhung der Hebesätze erst 2015
voll wirksam werde, würden sich bereits 2011 die fiktiven Mehreinnahmen
finanziell durchschlagen. Sogar wenn alle Thüringer Gemeinden die im Gesetz
geforderten Mindeststeuersätze zur Anwendung bringen würden, wären
die finanziellen Nachteile nicht ausgeglichen. So sehe beispielsweise das Gesetz
bei der Gewerbesteuer einen Hebesatz von 357 vor. Bei der Berechnung der Mittel,
die das Land den Kommunen zur Verfügung stellen muss, geht die Landesregierung
von einem Steuersatz von 400 aus. "Selbst wenn die Gemeinden alle gesetzlichen
Anforderungen erfüllen würden, kämen sie nicht auf eine schwarze
Null", rechnet der Finanzexperte vor.
Nach Einschätzung des Landtagsabgeordneten gebe es durchaus weitere Potentiale,
effizienter zu werden und Einnahmen zu erhöhen, doch diese müssten
im offenen Verfahren mit den Kommunen diskutiert werden. Dazu gehöre für
Kuschel auch eine Reform der Landes- und Kommunalverwaltungen. Im vorgelegten
Gesetzentwurf fehle eine klare Vision, wie sich das Land eine weitere Entwicklung
der Kommunen vorstelle. So sei es fragwürdig, dass die bestehenden Stadt-Umland-Probleme
vor allem im Umfeld der kreisfreien Städte nicht grundlegend gelöst
würden. Die zusätzlichen Schlüsselzuweisungen für die kleinen
kreisfreien Städte Weimar, Suhl und Eisenach würden die bereits bestehenden
Finanzprobleme weiter verstetigen. Bereits bisher wurden alle kreisfreien Städte
finanziell privilegiert, ohne dass sich an der Misere grundlegendes geändert
hätte. "Anstatt weitere Millionenbeträge in Fässer ohne
Boden zu stecken wäre es ratsam gewesen, sich mit einem Vorschlag für
eine Funktional-, Verwaltungs- und Gebietsreform in die Öffentlichkeit
zu bewegen", fordert abschließend Frank Kuschel.
7.11.2010