Thüringen will die um voraussichtlich 147 Millionen Euro höheren
Steuereinnahmen im kommenden Jahr zur Senkung der Neuverschuldung nutzen. Das
beschloss der Haushaltsausschuss des Landtags am Donnerstag. Wie der Ausschussvorsitzende
Mike Huster (Linke) mitteilte, sprachen sich alle Landtagsfraktionen dafür
aus, die prognostizierten Mehreinnahmen in den Etat für 2011 aufzunehmen.
Damit muss Thüringen im kommenden Jahr noch rund 470 Millionen Euro Schulden
aufnehmen.
1.400 Änderungsanträge an einem Tag
Insgesamt stimmte der Ausschuss am Donnerstag über fast 1.400 Änderungsanträge
zum Haushaltsentwurf ab. Dabei wurden nach Angaben einer SPD-Sprecherin alle
77 Anträge der Regierungsparteien CDU und SPD angenommen. Unter anderem
wurden zusätzliche Ausgaben von 500.000 Euro für Schulpsychologen
beschlossen. Zudem sollen Gemeindezusammenschlüsse mit einer Million Euro
zusätzlich gefördert werden. Zur Untersuchung von Erdfällen sollen
585.000 Euro eingestellt werden. Des weiteren wurde beschlossen, mehr Geld für
Erwachsenenbildung und die Landeszentrale für politische Bildung auszugeben
als im Haushaltsentwurf der Regierung vorgesehen.
Linke kritisiert Abstimmung
Haushaltspolitiker der Opposition kritisierten die Abstimmung. Huster nannte
den Beschluss zur Verschuldung Kosmetik, da die Haushaltsregelungen ohnehin
vorschrieben, Mehreinnahmen zur Vermeidung neuer Kredite zu verwenden. Der Linken-Abgeordnete
Frank Kuschel sagte MDR 1 RADIO THÜRINGEN, bei 1.400 Anträgen sei
nicht ausreichend Zeit gewesen, die einzelnen zu beraten. Dies habe mit Demokratie
nichts mehr zu tun. Seine Fraktionskollegin Katharina König twitterte aus
der Sitzung heraus, SPD und CSU "lehnen gerade ohne Sinn und Verstand Änderungsanträge
zum Schulgesetz ab." Der Landtag will den Haushalt in der kommenden Woche
verabschieden.
MDR, 2.12.2010