Mitarbeiter der
Thüringer Landtagsverwaltung haben am 9.12. am Rande der jüngsten
Plenarsitzung versucht, Vertreter der Thüringer Bürgerinitiativen
für sozial gerechte Kommunalabgaben an der Verteilung von Informationsmaterialien
an die Landtagsabgeordneten zu hindern.
Mit Verweis auf die Hausordnung wurde den Bürgern auch der Zugang zum Vorraum
des Plenarbereich verweigert, wo sie mit den Landtagsabgeordneten ins Gespräch
kommen und für den Gesetzentwurf von LINKER und Bündnis 90/Die Grünen
zur Abschaffung der Zwangsbeiträge bei Abwasser und Straßen werben
wollten.
Die Vertreter der Bürgerinitiativen protestierten energisch gegen die Behinderungen.
Olaf Geyersbach von der BI Bittstädt betonte, dass wieder einmal deutlich
werde, wo die Grenzen der Demokratie gezogen werden. Es sei völlig unverständlich,
dass die Bürger keinen Zugang zu den Abgeordneten bekommen. "Wir sind
das Volk - ist ein Motto, das an Aktualität nichts verloren hat, daran
sollten sich die Abgeordneten erinnern", so Olaf Geyersbach.
Albrecht Dürer, Bürgermeister der Gemeinde Liebenstein und Mitglied
der BI "Obere Gera", verwies auf seine persönliche Situation.
Er müsse für sein Grundstück mehr als 20.000 EUR an Abwasser-
und Straßenausbaubeiträgen zahlen. "Der Landtag gehört
dem Volk und deshalb dürfen die Bürger nicht ausgesperrt werden",
so seine Forderung.
Im Gespräch mit der Landtagsverwaltung unter Vermittlung des Abgeordneten
der LINKEN Frank Kuschel wurde letztlich doch ein Kompromiss gefunden. Die Bürger
durften ihre Materialien, darunter die neueste Ausgabe der Verbandszeitung "Widerspruch",
an die amtierende Fraktionsvorsitzende der LINKEN, Martina Renner, übergeben.
Diese betonte, dass es für die LINKE selbstverständlich sei, das Gespräch
mit den Bürgern zu führen. Die Landtagsverwaltung gab die Zusage,
die Materialien der Bürgerinitiativen über die Poststelle an alle
Abgeordnete zu verteilen.
Die Bürgerinitiativen hatten auch eine Weinnachtsüberraschung für
die Abgeordneten vorbereitet. In einem nachgebildeten "Thüringer Gesetz-
und Verordnungsblatt" wurde der Gesetzentwurf zur Abschaffung der Zwangsbeiträge
schon einmal öffentlich als beschlossenes Gesetz veröffentlicht. Wohltuend
war für die Bürger, dass sich der Thüringer Justizminister Holger
Poppenhäger (SPD) die Zeit für ein Gespräch nahm. Abgeordnete
von CDU und SPD nahmen sich daran aber leider kein Beispiel.
10.12.2010