"Winterdienst und öffentlicher Personennahverkehr gehören zur
Daseinsvorsorge", betont der LINKE-Politiker Frank Kuschel mit Verweis
auf die "sicherlich extreme Witterungslage, die aber noch keine Naturkatastrophe
ist und es nicht rechtfertigt, den öffentlichen Nahverkehr über Tage
komplett einzustellen, wie es jetzt offenbar die Landeshauptstadt getan hat".
Nach Auffassung des Landtagsabgeordneten sei dieses Winterwetter immer noch
im Bereich dessen, was die Kommunen beherrschen sollten. "Allerdings musste
in den letzten Jahren aufgrund der kommunalen Finanzkrise bei Technik und Personal
für den Winterdienst sowie bei den Servicekräften im öffentlichen
Nahverkehr immer mehr gespart werden und abgebaut werden", sagt der Kommunalpolitiker
und spricht angesichts des in Erfurt eingestellten Straßenbahnverkehrs
von einer für die Bürger nicht hinnehmbaren Kapitulation.
Das Land habe den Kommunen im Rahmen des Finanzausgleichs in diesem Jahr gerade
noch 20 Millionen Euro für den Winterdienst zur Verfügung gestellt,
das seien umgerechnet zehn Euro pro Einwohner, "Aber bei so einem Winter
ist mindestens das Fünffache notwendig", betont Frank Kuschel und
erinnert an die verfehlte Steuerpolitik auf Bundes- und Landesebene, die zur
Folge habe, dass den Thüringer Kommunen pro Jahr inzwischen 400 Millionen
Euro an Einnahmen fehlen.
Viele Kommunen seien mit diesem Winter völlig überfordert, gerade
auch die Gemeinden im Thüringer Wald, die zahlreiche Touristen erwarten,
müssten verstärkt den Schnee aus ihren Ortschaften transportieren
und seien dazu vor allem auch finanziell nicht mehr in der Lage. Der LINKE-Politiker
fordert für den kommunalen Winterdienst ein Landessofortprogramm, "damit
jetzt unverzüglich gehandelt werden kann und die Kommunen die Situation
in den Griff bekommen". Kuschel bezeichnet es außerdem als überlegenswert,
wenn gerade kleinere Gemeinden sich im Rahmen der kommunalen Gemeinschaftsarbeit
zusammentun und ihre Winterdienstkräfte bündeln.
27.12.2010