Die vor eineinhalb
Jahren neu in den Landtag gewählten Parlamentarier haben dort die meisten
Reden gehalten. Frühere Regierungsmitglieder hielten sich zumeist fern
vom Rednerpult. Aktivster Redner und auch Zwischenrufer ist ein Abgeordneter
der Linken.
Im Thüringer Landtag sind die neuen Abgeordneten besonders redefleißig.
Acht der zehn Abgeordneten mit den meisten Redebeiträgen sind nach Informationen
des MDR THÜRINGEN erst seit der letzten Landtagswahl im Parlament. Dem
Rekordredner Frank Kuschel (DIE LINKE) allerdings konnten die Landtagsneulinge
nicht das Wasser reichen: Kuschel redete laut Landtagsstatistik bislang 126
Mal. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Dirk Adams (Bündnis 90/Die
Grünen) mit 87 Beiträgen und Dirk Bergner (FDP) mit 82 Reden. Von
den Regierungsfraktionen CDU und SPD schaffte es kein Abgeordneter unter die
Top Ten der Redner-Statistik. Mit 47 Reden steht Wolfgang Fiedler bei der CDU
an der Spitze. In der SPD hält Frank Weber mit 37 Reden den fraktionsinternen
Rekord.
Kein Abgeordneter ohne Redebeitrag
Anders als in früheren Legislaturperioden gibt es nach Angaben der Landtagsverwaltung
aber keinen Abgeordneten, der sich noch nie zu Wort gemeldet hat. Dennoch verzeichnete
die Statistik auch Zurückhaltung - so etwa beim Abgeordneten Siegfried
Wetzel (CDU). Der Mann aus dem Saale-Orla-Kreis taucht in Landtagsprotokollen
nur einmal als Redner auf - mit einem Beitrag über Winter-Schlaglöcher
am 26. Januar 2011. Zur Begründung sagte der 62-Jährige dem MDR, er
wolle jüngeren Abgeordneten nicht im Wege stehen.
Ex-Regierungsmitglieder halten sich zurück
Unauffällig agierten bislang auch ehemalige Regierungs-Mitglieder. Ex-Ministerpräsident
Dieter Althaus verzichtete in seinen letzten Monaten als einfacher Landtagsabgeordneter
komplett auf Einlassungen vom Rednerpult. Sein ehemaliger Staatskanzleischef
und nachmaliger Verkehrsminister Gerold Wucherpfennig meldete sich bislang nur
zweimal zu Wort - was ihn aber nicht hinderte, sich gegenüber Medien über
seinen geringen Einfluss als Abgeordneter zu beschweren.
Zwischenrufe sehr beliebt
Zwischenrufe gehören zum Alltag im Thüringer Landtag. In den Plenarprotokollen
sind nach Recherchen des MDR bis Ende Februar 3.157 Zwischenrufe festgehalten
- das sind im Schnitt 67 pro Sitzungstag. Wie bei den Reden führt der Abgeordnete
Kuschel auch in dieser Sparte - mit insgesamt 331. Anders als in der Rednerstatistik
sind in den Zwischenrufer-Top Ten auch Parlamentarier der CDU vertreten. Engagiertester
Zwischenrufer der Christdemokraten ist Wolfgang Fiedler, 179 spontane Äußerungen,
gefolgt von seinem Fraktionschef Mike Mohring mit 122 Zwischenrufen.
Die Äußerungen reichen von inhaltlichen Bewertungen wie "Ach,
so ein Quatsch." (Christina Tasch, CDU) über Anmerkungen zur Gesprächskultur
wie "Wir reden aneinander vorbei!" (Sabine Berninger, Die Linke) bis
zu historischem Nachhilfe-Unterricht: "Es war die Rote Armee, die Auschwitz
befreit hat, nicht die FDP." (Bodo Ramelow, Die Linke).
12.3.2011