"Die Verbandspolitik
der Wasser- und Abwasserverbände ist für die Bürgerinnen und
Bürger immer weniger durchschaubar und deshalb gehören sie auf den
politischen Prüfstand", sagt Frank Kuschel, kommunalpolitischer Sprecher
der Landtagsfraktion DIE LINKE.
Alle bisherigen Versuche, die Arbeit der Zweckverbände stärker demokratisch
zu kontrollieren und zu steuern, sind mehr oder weniger gescheitert. Auch die
vor Jahren vom Landtag beschlossene freiwillige Einführung von Verbraucherbeiräten
hat an dieser Situation nichts geändert. Zum einen haben nicht alle Zweckverbände
solche Verbraucherbeiräte und zum anderen haben diese kaum Rechte und Einfluss
auf Entscheidungen.
"Der Landtag ist gefordert, sich intensiv mit der Politik der Zweckverbände
zu beschäftigen, hat er doch mit dem Gesetz über die kommunale Gemeinschaftsarbeit
die rechtlichen Rahmenbedingungen für deren Agieren geschaffen", stellt
der Linkspolitiker klar.
Im Wesentlichen bestimmten die Bürgermeister und die Werkleitungen die
Verbandspolitik. Es gebe dabei kaum noch Rückkopplungen mit den Gemeinde-
und Stadträten. Die Bürgerinnen und Bürger könnten oftmals
Gebühren- und Beitragsberechnungen nicht nachvollziehen. Das Investitionsverhalten
werde fast als "geheime Verschlusssache" behandelt. Und dabei gehe
es um viel Geld: Bisher wurden durch die Zweckverbände über 3,5 Milliarden
Euro investiert und es flossen rund 1,6 Milliarden Euro Fördermittel. In
den nächsten Jahren sind weitere Investitionen von über 3 Milliarden
Euro geplant und dies bei einem Rückgang der Bevölkerungszahlen.
"Völlig unverständlich ist, dass der Landesrechnungshof zwar
zunehmend die Zweckverbände überprüft, diese Berichte aber auf
Grund einer CDU-Entscheidung im Landtag der Öffentlichkeit nicht zugänglich
sind", kritisiert Frank Kuschel. Und dabei enthielten diese Prüfungsberichte
brisante Fakten, wie die übertarifliche Bezahlung der Werkleitungen, fehlerhafte
Vergabe von Aufträgen, überhöhte Gebühren usw. "Konsequenzen
werden aus den Berichten kaum gezogen, auch weil sich die Bürgermeister
in unzumutbaren Abhängigkeitsverhältnissen zu den Verbänden befinden",
so die Einschätzung des Abgeordneten. DIE LINKE will die Zweckverbände
völlig verändern. "Die Gemeinde- und Stadträte sowie die
Bürgerinnen und Bürger müssen endlich Einfluss in den Verbänden
bekommen", fordert Frank Kuschel. Zudem müssen alle Betriebs- und
Kalkulationsunterlagen der Zweckverbände offen gelegt werden, was auch
die Prüfungsberichte einschließt. DIE LINKE wird entsprechende Vorschläge
in den Landtag einbringen. "Dabei wird es auch um die Anzahl der Zweckverbände
gehen, die unbestritten zu hoch ist", so Frank Kuschel.
13.3.2011