Die CDU will eine Gebietsreform nicht mehr vor den nächsten Landtagswahlen 2014 angehen. CDU-Innenexperte Wolfgang Fiedler erklärte am Mittwoch, seine Fraktion habe beschlossen, "in der laufenden Legislaturperiode keine Gebietsreform und kein Leitbildgesetz auf den Weg zu bringen".
CDU stellt sich gegen SPD und Thüringen-Monitor
Die Christdemokraten
stellen sich damit gegen ihren Koalitionspartner SPD. Die Sozialdemokraten hatten
sich dafür ausgesprochen, bis 2013 zumindest die Weichen für eine
Reform zu stellen. Fiedler verwies auf die jüngst eingesetzte Expertenkommission,
die bis Mitte 2012 Vorschläge für eine sogenannte Funktional- und
Gebietsreform vorlegen soll. Danach könne man weiter diskutieren.
Die CDU-Fraktion reagierte damit auch auf den jüngsten Thüringen-Monitor.
In der am Dienstag veröffentlichten Umfrage sprach sich eine deutliche
Mehrheit von 80 Prozent für eine Gebietsreform aus, um Geld zu sparen.
Fiedler entgegnete, noch habe niemand schlüssig belegen können, dass
eine Reduzierung der Landkreise langfristig zu Einsparungen führe. Zudem
werde die Zustimmung für die Zusammenlegung von Kreisen voraussichtlich
"von 100 auf Null" sinken, "wenn die Karten im doppelten Wortsinn
auf den Tisch kommen". Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht
will am Donnerstag im Landtag eine Regierungserklärung zum Thüringen-Monitor
abgeben.
Linke kritisiert Blockadehaltung
Die Linke kritisierte
den Beschluss der CDU. Kommunalexperte Frank Kuschel sagte, die CDU verharre
in ihrer Blockadehaltung, obwohl die Mehrheit der Thüringer die Notwendigkeit
einer Verwaltungs- und Gebietsreform anerkenne. Die Linke fordert ebenso wie
die SPD und die Grünen seit langem eine Zusammenlegung von Kreisen. Thüringen
hat derzeit 17 Landkreise und sechs kreisfreie Städte. Das gemessen an
der Einwohnerzahl mehr als doppelt so große Sachsen hat beispielsweise
zehn Landkreise und drei kreisfreie Städte. In Sachsen-Anhalt gibt es elf
Landkreise und ebenfalls drei kreisfreie Städte.
MDR, 2.10.2011