Im Ergebnis der
Novembersteuerschätzung 2011 können die Thüringer Gemeinde und
Städte in den nächsten Jahren mit Steuermehreinnahmen rechnen. 2012
wird jedoch erst wieder das Niveau von 2008 erreicht. Seit 2009 waren die Steuereinnahmen
wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise gesunken.
Allerdings ist noch völlig offen, ob die Kommunen von den prognostizierten
Steuermehreinnahmen tatsächlich etwas haben. Nach den jetzigen Regelungen
des Kommunalen Finanzausgleichsgesetzes müssen die Kommunen damit rechnen,
dass das Land die Steuermehreinnahmen mit den Landeszuweisungen verrechnet.
Die CDU/SPD-Regierungskoalition hat angekündigt, dass 2012 rund 20 Millionen
EUR nicht angerechnet werden sollen. Dies ist aber nur ein Tropfen auf den heißen
Stein, wenn man die zeitgleichen Kürzungen bei den Landeszuweisungen bedenkt.
Diese Kürzungen bei den Landeszuweisungen sind eine große Unbekannte
für die Kommunen. Für 2012 sind Kürzungen von rund 200 Millionen
EUR geplant.
Zudem steigen in nahezu allen kommunalen Bereichen die Ausgaben. Auch bei den
Investitionen fehlen den Kommunen bis zu 800 Millionen EUR jährlich.
2011 werden die Thüringer Kommunen wahrscheinlich 1.116.000.000 EUR aus
Steuern einnahmen (501 EUR pro Einwohner). 2012 sollen es 1.166.000.000 EUR
(523 EUR pro Einwohner) sein. Bis 2016 werden diese Einnahmen auf 1.366.000.000
EUR (613 EUR pro Einwohner) steigen.
Die kommunale Steuerdeckungsquote liegt derzeit immer noch bei bescheidenen
21,88 Prozent. D. h. nur jeder fünfte EUR, den die Thüringer Kommunen
ausgeben, stammt aus eigenen Steuereinnahmen. In den alten Bundesländern
liegt diese Steuerquote bei über 30 Prozent. Aufgrund der geringen Steuerkraft
sind die Thüringer Kommunen im starken Maße von den Landeszuweisungen
abhängig. Diese machen 2011 fast 60 Prozent der Gesamteinnahmen aus.
Frank Kuschel,
23.11.2011