Asyle für Vierbeiner in Sömmerda rappelvoll

Mehrere Mitglieder des Thüringer Landtages sahen sich gestern in den zwei Tierheimen in der Stadt Sömmerda um. Es gibt eine Diskussion um die Durchsetzung des "Gefahrhundegesetzes" und die Finanzierung der Einrichtungen.
Sömmerda. "Hier, die Kleine kannst du streicheln. Sie hat eine schlimme Augenkrankheit, braucht viel Zuwendung." Veronika Heßler, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereines Sömmerda, legt ein Kätzchen an die Schulter von Janine Toellner. Die Kölledaer Gymnasiastin absolviert gerade im Tierheim am Wasserweg ein Praktikum.
Mit rund 200 Schutzbefohlenen ist das Asyl des Tierschutzvereines voll belegt, berichtete die Vereinsvorsitzende, Birgit Schneider, gestern Abgeordneten und Mitarbeitern der Landtagsfraktion Die Linke, die sich bei einem Arbeitsbesuch u. a. in den zwei Sömmerdaer Tierheimen umsahen.
Und fast täglich würden Tiere gefunden oder einfach abgegeben. Ohne die Unterstützung von Helfern die gerne noch willkommen sind wäre dies kaum zu bewältigen, so Veronika Heßler. Zudem kommen finanzielle Aufwendungen. Monatlich seien für die Betreuung der Tiere und Betriebskosten rund 1500 Euro notwendig.
Denn das Haus am Wasserweg trage sich laut Vereinsvorsitzender selbst, durch Vereinsbeiträge und Spenden. Für Fundtiere bekäme man kein Geld von der Stadt oder dem Landkreis. Auf Antrag habe man eine Finanzhilfe durch die Stadt für die Kastrierung von Katzen eine kommunale Aufgabe erhalten. Nun sei man wieder dabei, einen Antrag zu stellen.
"Wir sind heute auch hier, um Fragen zu Strukturen und Finanzierung der Tierheime zu erörtern", so der kommunalpolitische Sprecher Frank Kuschel . Landtagsmitglied Frank Hauboldt aus Sömmerda kündigte an, dass man die Finanzierung u. a. im Kreistag diskutieren und eventuell andere Kommunen mit beteiligen wolle.
Im Tierzentrum auf der Weißenburg ist man dagegen der festen Meinung, dass man per Verträgen mit den Kommunen die Leistungen für Fundtiere erbringe und damit auch die Pauschalen beziehen müsse. Und dies reiche, so Hans-Jörg Stenler, kaum bei der mit rund 600 Tagen derzeit relativ langen Verweildauer für Unterbringung, Impfung, mögliche tiermedizinische Kosten etc.
Doch Fakt ist, dass auch das privat geführte Tierzentrum derzeit laut Stengler "rappelvoll" belegt sei. Der Bedarf an zwei solchen Einrichtungen scheint nun einmal da zu sein.
Zudem kommen jedoch auf der Weißenburg noch die Unausgegorenheiten bei der Durchführung des sogenannten "Gefahrhundegesetzes". "Von wegen, das ist eine kostenneutrale Angelegenheit", empört sich Hans-Jörg Stengler über Aussagen des Landes. "Für vorgeschriebene gesonderte Anlagen, einen zweiten Beschäftigten, Betreuung etc. kommen rund 50 Euro Kosten am Tag für einen solchen Hund zusammen. Das muss endlich auf Landesebene geklärt werden."

Katrin Müller, Thüringer Allgemeine, 23.11.2011