Als "bedenkliches
Verfahren und Missachtung parlamentarischer Regeln" kritisiert die Linksfraktion
die heutige Vorgehensweise von CDU und SPD in den abschließenden Beratungen
im Haushaltsausschuss zum Landeshaushalt 2012. Die Koalition reichte erst während
der Ausschusssitzung 120 Änderungsanträge als Tischvorlage ein.
"Wenn jetzt die Regierungskoalition die geplanten Kürzungen bei den
kommunalen Finanzzuweisungen um ca. ein Drittel wieder zurücknimmt, ist
dies auf die berechtigten Proteste der Kommunen zurückzuführen",
erklärt der kommunalpolitische Sprecher der LINKEN, Frank Kuschel, nach
der heutigen Beratung.
Allerdings löse die Teilrücknahme der Kürzungen keinesfalls die
grundsätzlichen Finanzprobleme der Thüringer Kommunen. Trotz steigender
Steuereinnahmen könnten die Städte und Gemeinden auch im nächsten
Jahr nur rund 20 Prozent ihrer Ausgaben über eigene Steuereinnahmen decken.
Über die Hälfte der zur Verfügung stehenden Mittel kommen aus
dem Landeshaushalt. "Bei dieser hohen Abhängigkeit der Kommunen vom
Land führen Kürzungen und Aufgabenübertragungen ohne Kostenausgleich
zu spürbaren Defiziten in den kommunalen Haushalten", betont Kuschel
und verweist auf die begrenzten Möglichkeiten der Kommunen, die eigenen
Steuereinnahmen zu erhöhen. "CDU und SPD betrachten den Finanzausgleich
noch immer als Gnadenakt, obwohl sich der Thüringer Verfassungsgerichtshof
klar anders geäußert hat", sagt der Kommunalexperte.
DIE LINKE hat dem Ausschuss Änderungen für den Haushalt 2012 vorgeschlagen,
die den Kommunen 100 Millionen Euro zusätzliche Zuweisungen gesichert hätten.
Dafür wären keine neuen Kredite notwendig. "Ohne inhaltliche
Auseinandersetzungen haben CDU und SPD diese Vorschläge abgelehnt",
kritisiert Frank Kuschel. Die Koalition verschärfe nun die Konflikte zwischen
den Gemeinden und Landkreisen. "Der seit 1995 bestehende Verteilungsschlüssel
bei den Schlüsselzuweisungen, wonach 75 Prozent den Gemeinden und Städten
und 25 Prozent den Landkreisen zufließen, wurde zu Lasten der Gemeinden
verschoben."
Auch jetzt noch verweigerten CDU und SPD den Einstieg in die überfällige
Verwaltungs- und Gebietsreform. "Die SPD, die bisher noch für eine
solche Reform warb, hat sich auf Druck der CDU davon komplett verabschiedet.
Die Koalition nimmt erhebliche raumordnerische und landesplanerische Verwerfungen
zwischen den städtischen Zentren und dem Umland in Kauf, indem sie weitere
Gemeindfusionen im städtischen Nahbereich genehmigen will", so Frank
Kuschel abschließend.
9.12.2011