Viel Geld für wenig Zukunft

"Der Thüringer Innenminister gibt heute wieder den Wohltäter und zahlt in Millionenhöhe Fusionsprämien aus. Das wird zwar einige Bürgermeister freuen, eine klare Zukunftsinvestition sind diese Gelder aber nicht", kritisiert der kommunalpolitische Sprecher der LINKEN im Landtag Frank Kuschel.
Seit Jahren fördere das Land ohne klare Rahmenbedingungen Gemeindeneugliederungsmaßnahmen. "Damit entstehen vor allem im Umland städtischer Zentren Gemeindestrukturen, die aus landesplanerischer und raumordnerischer Sicht neue Konfliktpotenziale erzeugen. Das könnte für das Land sehr teuer werden, weil dann die Städte wegen eingeschränkter Entwicklungsmöglichkeiten bei wachsender Aufgabenerledigung für das Umland dauerhaft höhere Zuwendungen aus dem Landeshaushalt brauchen", befürchtet der Linkspolitiker.
Den Gemeinden, die sich nun neu gebildet haben, sei kein Vorwurf zu machen. "Sie haben nur die Konzeptionslosigkeit der Landesregierung genutzt und dabei regionale Aspekte ausgeblendet." Die LINKE hält freiwillige Gemeindezusammenschlüsse für durchaus sinnvoll, jedoch nicht zu Lasten anderer Kommunen. "Landesregierung, CDU und SPD haben völlig versagt. Besonders die SPD hat sich vom Reformprojekt Funktional-, Verwaltungs- und Gebietsreform komplett verabschiedet", ist Kuschel überzeugt. Der eilig mit dem Landeshaushalt 2012 beschlossene Entschließungsantrag zur Weiterentwicklung gemeindlicher Strukturen werde kaum etwas ändern.
Dabei seien sich CDU und SPD nicht einmal einig, ob die neuen Rahmenbedingungen bereits für die jetzt beantragten 15 Gemeindeneugliederungsmaßnahmen, die 2012 umgesetzt werden sollen, gelten sollen. "Hier liegen wieder einige im Umfeld von Städten, so der Beitritt der Wachsenburggemeinde zur Gemeinde Ichtershausen, mit dem die Entwicklung von Arnstadt in starkem Maße beeinträchtigt wird. CDU und SPD müssen nun endlich Verantwortung für das gesamte Land wahrnehmen und viel stärker als bisher in regionalen Strukturen denken", fordert der Linkspolitiker. In einem ersten Schritt müssten die jetzt beantragten Gemeindeneugliederungsmaßnahmen mit den beschlossenen neuen Rahmenbedingungen bewertet werden. "Alles andere würde weitere Fehlentwicklungen zur Folge haben, deren Auswirkungen auf die Regionen und das Land überhaupt nicht abschätzbar sind", so Frank Kuschel abschließend.

23.12.2011