"Obwohl es
massive Vorwürfe gegen die Erfurter Spielbank im Zusammenhang mit den Vorkommnissen
beim Erfurter Kinderkanal gibt, sieht die Landesregierung als Spielbankaufsicht
keine Veranlassung für eine zeitnahe Prüfung der Einhaltung der gesetzlichen
Vorgaben", kritisiert der Landtagsabgeordnete der LINKEN Frank Kuschel.
Erst wenn das Urteil im Kinderkanalverfahren rechtskräftig ist, will die
Landesregierung die Vorwürfe gegen die Erfurter Spielbank prüfen,
wie sie jetzt in ihrer Antwort auf eine Anfrage des Linkspolitikers mitteilte.
Der Landesregierung seien bisher keine Verstöße gegen gesetzliche
Bestimmungen durch die Erfurter Spielbank bekannt, so Kuschel, der die bisherigen
Aktivitäten des Landes als Spielbankenaufsicht als "sehr übersichtlich"
bezeichnet.
So musste der Spielbankbetreiber die Jahresabschlüsse und den Lagebericht
jährlich vorlegen, "was bei jedem wirtschaftlichen Unternehmen aber
üblich ist". Quartalsweise mussten zudem die Sperr- und Entsperrungsvorgänge
im Casino Erfurt mitgeteilt werden. Und vertrauliche Monatsberichte gebe es
über Erträge, Abgaben und Leistungen.
Der LINKE Abgeordnete kritisiert, dass die Spielbankenaufsicht in den letzten
drei Jahren nur ein Mal, im Jahr 2009, im Casino war. Im Jahr 2011 habe sie
dem Casino Hinweise zur Gestaltung der Internetseite und zur Durchführung
einer Veranstaltung gegeben. "Darüber hinaus gab es nur noch Informationsaustausche
zur Ausstattung im Abrechnungs- und Kontrollsystem, zu Zuständigkeitsregelungen,
zu Warnhinweisen von Strafverfolgungsbehörden und zum Spielerschutz. Vom
Teilnahmerecht der Spielbankaufsicht an Sitzungen und Besprechungen entscheidungsbefugter
Gremien des Spielbankunternehmens hat das Land bisher keinen Gebrauch gemacht",
sagt Kuschel.
"Von einer tatsächlichen Wahrnehmung der Spielbankenaufsicht kann
kaum die Rede sein", ist der Linkspolitiker überzeugt. "Offenbar
unterschätzt die Landesregierung die Gefährdungs- und Suchtpotenziale
der Erfurter Spielbank. Mancher Betreiber von Spielautomaten würde sich
über eine so lockere Überprüfungspraxis der Aufsichtsbehörden
freuen." Die LINKE fordert, dass die Vorwürfe gegen die Erfurter Spielbank
hinsichtlich der Vorkommnisse beim Kinderkanal umgehend aufgeklärt werden.
Bis zum Abschluss der Strafverfahren gegen einen Beschuldigten abzuwarten, "ist
verantwortungslos und sachlich auch nicht zu begründen", so Frank
Kuschel. Sowohl der Casinobetreiber als auch das Land als Aufsichtsbehörde
müssen an einer schnellen Aufklärung der Vorkommnisse ein Interesse
haben.
Die Linksfraktion wird im Hausaltsausschuss des Landtags die Landesregierung
dazu weiter befragen und auf eine umgehende Prüfung der Vorwürfe gegen
das Erfurter Casino drängen. "Dabei wird auch nochmals darüber
zu reden sein, ob Thüringen überhaupt ein Spielcasino braucht",
erklärt der Linkspolitiker abschließend.