Busfahren im Wartburgkreis leider nicht immer lustig!
Wer an einem Tag aus der Rhön nach Eisenach und wieder zurück mit den Bus fahren will, muss sich wohl oder übel in Bad Salzungen eine Übernachtungsmöglichkeit suchen.
Von diesem nicht gerade erfreulichen Umstand machten sich Anja Müller, Bundestagskandidatin der LINKEN und Frank Kuschel, Landtagsabgeordneter der LINKEN am 21. September 2009 selbst ein Bild. Gemeinsam mit weiteren Kommunalpolitikern der LINKEN fuhren Sie in den frühen Morgenstunden von Brunnhardshausen nach Bad Salzungen mit dem Bus, um so die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs im Wartburgkreis zu testen. Der Fahrplan an der Bushaltestelle in der Rhöngemeinde bestätigte die Informationen von Fahrgästen, dass am Wochenende überhaupt kein Bus hier ankommt und abfährt. Wer kein Auto hat oder niemanden kennt, der einem mit dem Auto mitnimmt, muss auf`s Rad umsteigen, zu Fuß gehen oder eben im Dorf bleiben.
Der Morgenbus bringt die Schulkinder nach Dermbach und in Richtung Bad Salzungen und Kaltennordheim. Wer als Fahrgast nicht mehr die Schule besucht, dafür aber zum Einkaufen oder zum Arzt mit den Bus fahren will, hat bis zum Mittag keine Möglichkeit für die Rückfahrt. Da bleibt nur der Rückweg zu Fuß wie ein Arztbesucher den Politikern der LINKEN erzählte. „Ein attraktives Busangebot stelle ich mir anders vor“, so die Einschätzung von Anja Müller. Klar, unterliegt der Öffentliche Personenverkehr auch dem Kostendruck. Wenn sich aber der Linienverkehr fast nur noch am Schülerverkehr ausrichtet, wird dies nicht zu höheren Fahrgastzahlen führen. Im Gegenteil, immer mehr Nutzer steigen auf das Auto um und so dreht sich die Spirale immer weiter abwärts. „Ein Umdenken ist hier geboten, denn der Anteil der älteren Menschen, die nicht mehr selbst mit dem Auto fahren können und deshalb auf den Bus angewiesen sind, steigt“, ist Frank Kuschel überzeugt. Diskutieren sollte man deshalb über solche Systeme wie den Rufbus oder das Ruftaxi. Der zuständige Landkreis kann allerdings solche Angebote nicht allein finanzieren, weshalb das Land die finanziellen Kürzungen der letzten Jahre beim Öffentlichen Personenverkehr rückgängig machen muss.
Die Informationsfahrt hat weitere Probleme verdeutlicht. Wer von Langenfeld, einem Ortsteil von Bad Salzungen, in die Innenstadt fahren will, muss dafür 2,40 EUR für die Hin- und Rückfahrt bezahlen. Bei einer 10er Karte sind es immer noch 2,16 EUR. Der Preis schreckt Fahrgäste ab, insbesondere Rentner oder Hartz IV - Empfänger. „Hier wäre die Einführung eines kostengünstigeren Mobilitätstickets diskussionswürdig“, meint Anja Müller, die im Kreistag einen solchen Vorschlag thematisieren will. Allgemein gelobt wurde die Freundlichkeit der Busfahrer und die Sauberkeit in den Bussen. Wenn jetzt noch die Busse häufiger und für bestimmte Bevölkerungsgruppen preisgünstiger fahren würden, wären noch mehr Sitzplätze als an diesem Montagmorgen auf der Fahrt von Brunnhardshausen nach Bad Salzungen besetzt.
Bad Salzungen, 21.09.2009