Die Stadtratsfraktion
der LINKEN Bad Salzungen und der Landtagsabgeordnete der LINKEN Frank Kuschel
nehmen heute nicht am Neujahrsempfang des Bürgermeisters der Stadt Bad
Salzungen, Klaus Bohl (Freie Wähler), teil.
Bereits seit mehreren Jahren veranstaltet der Bürgermeister den Neujahrsempfang
der Stadt gemeinsam mit der Bundeswehr in der "Werratalkaserne". In
dieser Bundeswehrkaserne in Bad Salzungen werden Soldaten für den Einsatz
in Afghanistan ausgebildet und vorbereitet. Bereits in den vergangenen Jahren
hatte Frank Kuschel mehrfach die Praxis des Bürgermeisters bei Neujahrsempfängen
kritisiert und nicht daran teilgenommen. Die Kritik von Kuschel bezog sich dabei
gar nicht so sehr auf den Fakt, dass ein gemeinsamer Neujahrsempfang von Stadt
und Bundeswehr stattfindet, sondern vielmehr darauf, dass die Bundeswehr die
Veranstaltung nutzte, um unkritisch den Auslandseinsatz in Afghanistan zu rechtfertigen.
"Es gibt in Bad Salzungen außer der Bundeswehr noch andere Bereiche,
die sich für einen gemeinsamen Neujahrsempfang anbieten", so Frank
Kuschel. Der Linkspolitiker verwies beispielhaft auf den Kurbereich, sei doch
Bad Salzungen nicht nur Kreis-, sondern auch Kurstadt.
Die Stadtratsfraktion der LINKEN hatte in den vergangenen Jahren noch am gemeinsamen
Neujahrsempfang mit der Bundeswehr teilgenommen, aber vom Bürgermeister
gefordert, künftig diese Veranstaltung nicht mit immer dem gleichen Partner
zu organisieren. Im Jahr 2009 gab es in dieser Hinsicht Signale des Bürgermeisters,
diese Praxis zu ändern. Umso überraschter zeigte sich die Stadtratsfraktion
der LINKEN, dass es nun doch wieder einen Neujahrsempfang mit der Bundeswehr
gibt.
Vom Bürgermeister wird das mit Kostenfragen begründet. Die Bundeswehr
übernehme die Kosten des Empfangs, was der Stadt in der gegenwärtigen
angespannten Finanzsituation sehr entgegenkomme, so die Argumentation des Bürgermeisters.
Andererseits hatte der Bürgermeister immer Verständnis für die
Nichtteilnahme von Kuschel an den gemeinsamen Empfängen geäußert
und dies als konsequentes Handeln bezeichnet.
Ralf Tonndorf, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Stadtrat, erklärte im
Zusammenhang mit der Nichtteilnahme der Stadtratsfraktion: "Die temporäre
Notwendigkeit der Bundeswehr als Instrument der Demokratie ist aus Sicht der
LINKEN unstrittig. Zudem sieht die LINKE die Bundeswehr in Bad Salzungen als
einen wichtigen Wirtschaftsfaktor an". Allerdings stellt sich auch für
Tonndorf und die Fraktion der Themenschwerpunkt des gemeinsamen Neujahrsempfangs
als sehr problematisch dar. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt des Empfangs
ein Vortrag von Oberstleutnant Leyde zum Thema "Einsatz in Afghanistan
und die weiteren Herausforderungen 2010".
Nach der Überzeugung von Tonndorf gebe es genügend Themen, die die
Menschen mehr bewegen, als die angebliche Notwendigkeit der Verteidigung der
Freiheit Deutschlands am Hindukusch. Kuschel und Tonndorf sehen nun den Bürgermeister
in der Pflicht, für die kommenden Jahre sein Konzept zu ändern. Das
Kostenargument weisen sie dabei als unakzeptabel zurück.
22.1.2010