Die Trinkwasser-
und Abwassergebühren steigen in der Wartburgregion rückwirkend - und
das drastisch. Erstmals müssen die Bürger völlig losgelöst
vom Verbrauch jährlich 126 Euro Grundgebühren zahlen. Die Trinkwassergebühr
wird um rund 6 Prozent auf 2,53 Euro/qm steigen. Um rund 20 Prozent erhöhen
sich die Abwassergebühren.
Die Beschlussfassung wurde von der Verbandsführung mit dem Ex-Innenminister
und Ex-Landtagsabgeordneten Christian Köckert (CDU) gegen alle Bedenken
der Mitgliedsgemeinden mit Drohungen durchgedrückt. Köckert drohte,
wenn die Gebührenerhöhung nicht komme, müssten die Mitgliedsgemeinden
die Verluste tragen. Diese Drohung verfehlte ihre Wirkungen nicht, haben doch
die Mitgliedsgemeinden keine finanziellen Handlungsspielräume für
zusätzliche Kosten.
Der Eisenacher Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD) sprach sich für
die Gebührenerhöhung aus und forderte die Solidarität der anderen
Gemeinden ein. Ohne Gebührenerhöhung blieben Investitionen aus und
davon wäre Eisenach besonders stark betroffenen.
Vor einigen Wochen war die Beschlussfassung zur Gebührenerhöhung noch
verschoben worden, wohl auch, weil mehr als 100 Bürger ihren Unmut äußerten.
Damit diesmal die Beschlussfassung ohne Probleme und ohne Bürgerbeteiligung
über die Bühne geht, hatte die Verbandsführung dafür gesorgt,
dass nur wenige Bürger an der öffentlichen Verbandsversammlung teilnehmen
können. Ganze 38 Gästeplätze standen zu Verfügung. Ein privater
Sicherheitsdienst sorgte dafür, dass die meisten Bürger keinen Zugang
erhielten. Und die Bürger hatten durchaus Interesse an den Verbandsbeschlüssen.
Bürgerinitiativen, DIE LINKE, Eisenacher Aufbruch und Einzelpersonen von
SPD und Grüne hatten zu einer Protestdemonstration aufgerufen und über
200 Bürger kamen. Was die Verbandsversammlung beschloss, konnten die meisten
von ihnen nicht mitverfolgen. Der de facto Ausschluss von großen Teilen
der Öffentlichkeit wird ein politisches Nachspiel haben. DIE LINKE kündigte
hier eine rechtsaufsichtliche Nachprüfung an und will die Sache zudem im
Landtag thematisieren.
Vertreter der Bürgerinitiativen haben zudem bereits jetzt ein gerichtliches
Musterverfahren zur Überprüfung der Gebührenerhöhung angekündigt.
Die Gebührenerhöhung sei u. a. angeblich deshalb erforderlich, weil
der Verband in den letzten Jahren über 6 Millionen Euro Verluste "eingefahren"
habe. Die Verbandsversammlung wurde erst Ende letzten Jahren über diese
dramatische Finanzlage des Verbandes informiert. Jahrelang legte die Verbandsführung
keine Bilanzen und Jahresabschlüsse vor. Die Aufsichtsbehörden sind
gegen dieses Geschäftsgebaren nicht eingeschritten.
30.6.2010