Während in der Bad Salzunger Trinkhalle über Frieden in Afghanistan debattiert wird, rollt auf dem Schienenstrang, kaum 10 Meter entfernt ein Güterzug mit Panzern vorbei
Bad Salzungen.
Die friedenspolitische Konferenz zum Thema " Kann die Bundeswehr in Afghanistan
Frieden bringen?" mit Christine Buchholz/MdB Die Linke - friedenspolitische
Sprecherin und Mitglied im Kundus - Untersuchungsausschuss sowie dem Beauftragten
für Friedensarbeit in der evangelischen Kirche Mitteldeutschland, Wolfgang
Geffe - zog das Fazit: "Ohne Abzug kein Frieden".
Da Christine Buchholz zu Beginn der Konferenz lebendig die wahren Verhältnisse
in Afghanistan schilderte, die sie nach dem Bombenangriff bei Kundus, am 4.
September 2009 hautnah erlebte, hatte die Konferenz ein Hauch von Echtheit und
Wahrheit.
"Die Erlebnisse und Gespräche mit den Angehörigen der zivilen
Opfer haben gezeigt, dass die Präsens der Bundeswehr in Afghanistan nur
zu mehr Krieg und Gewalt führt", ließ Christine Buchholz verlauten.
Auch in Afghanistan müsse der Wiederaufbau, wie überall auf der Welt
neutral sein und könne nicht mit einem Militäreinsatz erreicht werden.
Militär führe nur zum Ankurbeln der Spirale der Gewalt, unterstrich
die Bundestagsabgeordnete.
Die traurige Bilanz der bisher getöteten Soldaten und Zivilpersonen in
Afghanistan wurde auf einer Videoleinwand eingespielt und Christine Buchholz
ergänzte:
"Krieg zerstört das Leben der Menschen und hat alleine am 4. September
91 Frauen zu Witwen gemacht und über 500 Angehörigen ein Familienmitglied
entrissen".
Die wahren Gründe für den Krieg, seien vor allem die wichtige geostrategische
Rolle der Region, der Zugriff der westlichen Welt zu Rohstoffen und Öl
unterstrich Christine Buchholz, aber auch Wolfgang Geffe, von der evangelischen
Kirche Mitteldeutschland.
Die Notwendigkeit eines sofortigen Abzugs der Bundeswehr wurden durch die Tatsachen
erhärtet, dass der Bundeswehr - Einsatz jährlich über 1 Milliarde
Euro kostet und im Land selbst die gesundheitlichen Bedingungen so katastrophal
sind, dass 43 % der Kinder das 5. Lebensjahr nicht erreichen.
Während in der Trinkhalle heftig über die Sinnlosigkeit des Afghanistankrieges
diskutiert wurde, rumpelte ein schwerer Güterzug mit Panzern und anderen
Kriegsgerät über die nur wenige Meter entfernten Gleise der Bahnstrecke.
Besser konnte der Kontrast zum Thema wohl nicht hergestellt werden. Einige Gäste
konnten sich der Tränen in den Augen nicht erwehren. "Afghanistan
fasst live" war zu hören.
Das Tüpfelchen auf das I brachte eine Mutter von zwei Söhnen zum Ausdruck,
welche beide Inferno Afghanistan am eigenen Leibe erlebt haben. "Wer Frieden
will, muss auch Frieden verbreiten, aber in Deutschland gehen die politischen
Entscheidungen in eine andere Richtung. Hier geht es um eine Modernisierung
des Kriegsgerätes und um strategische Ressourcen mit militärischen
Mitteln sicher zu stellen", unterstrich die Frau.
Frieden sei nur miteinander und nicht gegeneinander zu erreichen. Diese Erkenntnis
haben mittlerweile auch ihre Söhne, die aber beide verhindert waren, an
der Konferenz teilzunehmen, sich aber aktiv für Frieden in Afghanistan
einsetzen, ergänzte die engagierte Frau.
In der Diskussion wurde das Thema des Bundeswehr Abzugs ab 2011 aufgerollt.
Christine Buchholz unterstrich, dass gegenwärtig keinerlei Bewegung in
Richtung Abzug zu erkennen ist. Leider gäbe es in der Bundesrepublik nur
eine Partei, die konsequent für einen Abzug eintrete, aber über 70
% der Bevölkerung gegen diesen Krieg sind. Mit dem Verweis auf die Verantwortungslosigkeit
der Politik wurde deutlich, dass der Druck von links noch weitaus aktiver werden
muss, um diesen Krieg ein schnelles Ende zu bereiten. Was die Bundestagsfraktion
der Linken mit ihren Bündnispartnern in den nächsten Wochen und Monaten
auf die Beine bringen will, das verriet Christine Buchholz ganz am Ende.
27.8.2010